Dekorative Kunst
Gebremste Nachfrage

Ob erlesene Porzellan-Uhr oder exquisites Lackmöbel - bei den Londoner Auktionen für dekorative Kunst sinken die Absatzzahlen.
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LondonEin Schachspiel, das Charles I. mit aufs Schafott genommen haben soll, gehörte zu den wichtigsten Zuschlägen der Londoner Kunsthandwerksauktionen, war aber, wie vieles in dieser Auktionswoche, billiger als gedacht. „Wir rechneten mit mindestens einer Million Pfund“, sagte der Käufer, Volker Wurster von der Bremer Galerie Neuse, und lobte die „tolle Provenienz“.

Das Bernsteinspiel - Schach, Mühle und Backgammon - stammt von dem Königsberger Meister Georg Schreiber, ist „anno 1607, den 5. Aprilis“ datiert und gehörte dem englischen König James I. und seinem Sohn, Charles. Er soll beim Spiel gesessen haben, als er 1649 von seiner Hinrichtung durch Cromwells Revolutionäre erfuhr. Zusammen mit der Bibel nahm er es zur Hinrichtung mit, wird behauptet.

601 250 Pfund zahlte die Galerie Neuse, mehr als die taxierten 300.000 bis 500.000 Pfund, aber es war nicht der befürchtete Ausreißerpreis. Bietfeuerwerke wie bei der Contemporary Art werden bei der Alten Kunst seltener. Die Rückgangsraten steigen - bei dieser Sotheby's Auktion blieb über die Hälfte der Lose unverkauft. Verfeinerter Geschmack, Geschichtsbewusstsein, Sinn für alte Provenienzen, das kann mit der Sucht nach dem Angesagten nicht Schritt halten. Erst recht sterben Kunstfreunde aus, die, einer ausufernder Leidenschaft folgend, breite Sammlungen zusammentragen.

Das zeigten die Meissen-Sammlung von Said und Roswitha Marouf bei Bonhams und die Silbersammlung von Istvan Heller bei Sotheby's mit hohen Rückgangsquoten. Sogar Christie's Galaauktion mit „Chefs-d'Oeuvre Ancienne Collection de Monsieur et Madame Riahi“, die wichtigste Sammlungsauktion im Möbelbereich seit der Sammlung António Champalimaud im Jahr 2005, war nicht die sprühende Veranstaltung, auf die man gehofft hatte.

Djahanguir Riahi, ein in Paris lebende Iraner, hatte in einer 50 Jahre andauernden, passionierten Trophäenjagd das Beste zusammengetragen. Vor zehn Jahren wurden in New York schon einmal Objekte für 40 Millionen Dollar verkauft. Nun schaffte der neue Schub mit fast 20 Millionen Pfund knapp die Schätzung und hatte mit 16 Prozent Losrückgang ein besseres Ergebnis, als Christie's Altmeisterauktion am Abend zuvor.

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