Demographischer Wandel
Seniorenspielplätze sind im Kommen

Egal, ob mit Fitnessgeräten, Riesen-Schachspielen oder mit Schaukeln – nach den Plänen von Kommunalpolitikern soll die alternde Gesellschaft so körperlich und geistig in Schwung gehalten werden.

HB BERLIN/HAMBURG. Den ersten Vorstoß wagte die Stadt Nürnberg. Geplant sind dort bis 2008 unter anderem Spielflächen für Federball, Boule, eine Kartenecke und Großfiguren-Schachfelder für die älteren Herrschaften, aber auch Kindergeräte sind kein Tabu. „Die Zustimmung ist groß“, sagt Ronald Höfler, persönlicher Mitarbeiter von Nürnbergs Sportbürgermeister Horst Förther (SPD). „Erst wollten wir keine Schaukeln oder so. Aber wir bekommen Rückmeldungen, dass sich Senioren durchaus auch wünschen, mal zu Schaukeln oder zu Rutschen.“

In Berlin soll diesen April ein Erwachsenen-Spielplatz mit Fitnessgeräten im Preußenpark im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf eröffnet werden. „Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland wollen wir das mal ausprobieren“, sagt der Baustadtrat des Bezirks, Klaus-Dieter Gröhler. Dabei werden einfache Fitnessgeräte aufgestellt, die weniger dem Muskelaufbau als vielmehr der Rehabilitation, Massage und Beweglichkeit dienen. Eine Altersbegrenzung gibt es dabei nicht.

Michael Nadel brachte mit seiner Firma Playfit diese Geräte von China nach Deutschland. Der Hamburger will auch Deutschlands Senioren an die Geräte zitieren. „Ich bin überzeugt, dass Seniorenspielplätze künftig den gleichen Stellenwert haben werden wie Kinderspielplätze.“ In Fernost schäme sich keiner seiner Leibesübungen, das „Turnen“ in der Öffentlichkeit sei dort auch im Alter bereits vollkommen normal.

„Der Name Spielplatz ist denkbar ungünstig“ Aus gutem Grund: „Studien belegen, dass die Kombination von geistiger und körperlicher Aktivität Demenz verzögern kann“, sagt Gerald Kolb, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Alte Menschen bewegten sich trotz des derzeitigen Wander- und Lauf-Booms immer noch zu wenig. Aber isometrische Übungen verbesserten zum Beispiel die Balance älterer Menschen. „Das ist wichtig, denn Stürze sind bei ihnen ein Riesenproblem.“

Dennoch sieht der Altersforscher die Spielplätze skeptisch. „Wenn man die Geräte irgendwo in die Landschaft stellt, dann bringt das gar nichts.“ Die Menschen bräuchten eine korrekte Anleitung zur Fitness. Auch die Kosten sind nach Angabe des Städte- und Gemeindebundes ein Hindernis. Die Pflege und Instandhaltung von Spielplätzen ist oft sehr aufwendig und teuer, sind sie doch häufig Treffpunkt für Trinker, Junkies und Jugendgangs.

Die Seniorenlobby kritisiert: „Der Name Spielplatz ist denkbar ungünstig, da werden doch Ältere wieder ins Kindheitsstadium zurückgestellt“, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren. Besser sei es, Kinder und Senioren auf kombinierten Anlagen wieder zusammenzubringen: Während der Enkel rutscht, trainieren Oma und Opa an seniorengerechten Fitnessgeräten. „Die Generationen können so wieder zusammengebracht werden“, sagt Lenz.

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