Der Arbeiter in der Kunst Ein Hauch von Revolte

Mit der Industrialisierung rücken Handwerker und Arbeiter ins Bild. Dafür brechen Künstler Konventionen und wagen neue Perspektiven –und riskieren auch schon einmal einen Skandal. Ermöglicht hat das ein freier Kunstmarkt. Ein Überblick über Arbeiterdarstellungen in der Kunst.
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Käthe Kollwitz: Der Weberzug (Ausschnitt) ist eine radierte Anklage. (Bild: VG Bild-Kunst) Quelle: VG Bild-Kunst

Käthe Kollwitz: Der Weberzug (Ausschnitt) ist eine radierte Anklage. (Bild: VG Bild-Kunst)

DÜSSELDORF. Nur während einer kurzen Periode von 150 Jahren waren Arbeiter und Tagelöhner ein wichtiges Motiv in den Künsten: von 1830 bis 1980. Vorher beschäftigen sich die Künstler mit Historienbildern, die den Ruhm eines Herrschers oder Feldherrn verherrlichen, oder mit spiritueller Kunst für den Klerus. Nach dem Zweiten Weltkrieg machen sich im Westen abstrakte Tendenzen breit; die Kunst befreit sich vom dienenden Abbilden. Nur im Sozialismus erlebt das Bild des Werktätigen verschiedene Ausprägungen.

Was aber ist nötig, damit sich die meist akademisch ausgebildeten Maler und Bildhauer für den Arbeiter interessieren? Zunächst der genaue Blick auf die Wirklichkeit. Im 19. Jahrhundert rücken Alltag und Arbeitswelt vom Rand eines Gemäldes in sein Zentrum. Die große Perspektive auf kleine Leute, der Verzicht auf Repräsentation und Inszenierung prägen den Realismus.

Die einflussreiche Vaterfigur dieses Stils ist Gustave Courbet (1819-1877). Der Franzose wagt es beispielsweise, 50 Personen bei einem dörflichen Begräbnis abzubilden wie Adelige: in Lebensgröße. Das sorgt 1851 für einen Skandal. Arbeiter formatfüllend zu malen kam damals einer kleinen Revolte gleich.

Natürlich brauchen Bilder von Schustern, Gänserupferinnen und Erntehelfern – aus den Ateliers von Jean-François Millet, Max Liebermann und Wilhelm Leibl – auch einen freien Kunstmarkt. Die Künstler müssen ohne Auftrag, ohne Zunftzwang oder Bindung an einen fürstlichen Hof Themen wählen können.

Die Stilrichtungen Realismus (19. Jh.) und Verismus (20. Jh.), der die gesellschaftlichen Widersprüche der „goldenen zwanziger Jahre“ schonungslos anprangert, sind nicht denkbar ohne die Industrielle Revolution, die zwischen 1830 und 1870 den Eisenbahnbau und die Montanindustrie anschiebt. Risikofreudige Unternehmer werden da richtig reich.

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1 Kommentar zu "Der Arbeiter in der Kunst: Ein Hauch von Revolte"

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  • der Schlesische Weberaufstand war 1844! 1848 war dann die ganz große revolution. Das ist Geschichtswissen Klasse 8.

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