Der britische Stargeiger Daniel Hope über klassische Musik in den Zeiten der Globalisierung und seine Liebe zur indischen Musik
„Ich würde nie auf Beethoven verzichten!“

Daniel Hope tobte als Dreijähriger durch Yehudi Menuhins Wohnhaus. Der weltberühmte Geiger hatte großen Einfluss auf den jungen Musiker. Heute zählt der 31-Jährige selbst zu den gefragtesten Solisten seiner Generation.

Handelsblatt: Wo sind Sie lieber: im Osten oder im Westen der Erde?

Daniel Hope: Im Niemandsland zwischen Ost und West. Von dort aus kann ich aus der Distanz alle fernen Welten beobachten. Das habe ich auch bei meiner CD so gemacht.

Was haben Sie da beobachtet?

Ich habe zunächst die verschiedenen Komponisten als Passagiere auf ein gemeinsames Schiff geholt. Und dann wollte ich den Ursprüngen der Geige nachspüren. Sie reichen zurück bis nach Indien vor fast 5 000 Jahren. Von da aus ging ihr Weg über Osteuropa nach Italien und wieder zurück nach Indien.

Muss man den Titel Ihrer CD „East meets West“ wörtlich nehmen?

Es geht mehr als nur um eine Richtung. Es geht mir um das Gefühl, wie es ist, von anderen Kulturen beeinflusst zu werden. Es ist vor allem eine Hommage an den Komponisten und Sitar-Virtuosen Ravi Shankar in memoriam Yehudi Menuhin.

Verwischt die Globalisierung musikalische Identitäten?

Die Welt ist zwar kleiner geworden durch die allgegenwärtigen Informationsquellen. Aber jedes Land hat nach wie vor seine eigene Musikart, speziell die indische. Die Welten bleiben eben doch getrennt für sich. So viele Grenzen auch gefallen sein mögen: Die persönliche Note bleibt bestehen.

Was fasziniert Sie so an der indischen Musik?

Die indischen Musiker betrachten ihre Sache nicht nur als Job oder Leidenschaft. Sondern sie ist wirklich Leben, bedingt auch durch eine starke religiöse Beziehung. Musik wird dort zu einer Art spirituellem Erlebnis, was uns ja völlig fremd ist. Schon Zwei- und Dreijährige singen und tanzen zu den indischen Ragas.

Über 60 Konzerte haben Sie mit Menuhin zusammen gemacht. Wie hat Ihr musikalischer Ziehvater Sie geprägt?

Ich war dreieinhalb, als meine Mutter mich jeden Tag mit zu ihm ins Haus nahm, weil sie für ihn als Sekretärin arbeitete. Viele seiner Enkelkinder sind in seinem Haus herumgerannt, es herrschte eine sehr kinderfreundliche Atmosphäre. Mit der Zeit habe ich dort alle großen Persönlichkeiten der Musik kennen gelernt. Das war sein erster Einfluss auf mich.

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