Der Duisburger Innenhafen entwickelt sich zur Futter- und Vergnügungsmeile
Carpaccio mit Blick aufs Wasser

Im Duisburger Innenhafen regiert nicht mehr die Arbeit, sondern das Vergnügen. Raum für Arbeit, Wohnen, Kultur und Freizeit wurde geschaffen, die denkmalgeschützten Mühlen und Speichergebäude restauriert, Lücken durch architektonisch anspruchsvolle Büroneubauten geschlossen. Zur Abrundung entstand auch eine gastronomische Flaniermeile rund ums Hafenbecken.

Fahnen flattern im Wind, auf dem Wasser schaukeln Sportboote, der Blick schweift über restaurierte Kornspeicher und Getreidemühlen, aber auch über das Glas und Stahl der Neubauten. Tagsüber drehen Jogger ihre Runden, Fremdenführer laufen mit Touristengruppen umher, Museumsbesucher und Rentner entspannen beim Kaffee im Freien, Büromenschen genießen am Wasser ihre Mittagspause. Am Abend dann verwandeln junge Nachtschwärmer die beschauliche Uferpromenade in eine quirlige Szenepiste. Im Duisburger Innenhafen, nicht mal einen Kilometer von der Fußgängerzone im Zentrum entfernt, regiert nicht mehr die Arbeit, sondern das Vergnügen.

Nachdem in den vergangenen Jahren in fast jeder größeren Stadt mindestens ein Strand angelegt wurde, sind jetzt die Häfen dran. Landauf, landein werden mehr oder weniger brachliegende Hafenareale in Freizeitmeilen umgemodelt. Die Planer ziehen die Gastronomen mit ins Boot - von Wismar bis Mainz, von Bingen bis Kiel, von Münster bis Barth an der Ostsee. Von Hamburgs Elbmeile ganz zu schweigen.

In Duisburg sind die Ummodler am Rhein nun fast fertig mit jenem Teil des Hafens, in dem einst der Getreidehandel residierte. Seit den 60er-Jahren war mangels wirtschaftlicher Relevanz aus dem "Brotkorb des Ruhrgebiets" ein brachliegendes Areal mit heruntergekommenen Mühlen, Getreidespeichern und Lagerhallen geworden. Stararchitekt Sir Norman Foster sollte das Wasser erlebbar machen, für mehr Lebensqualität sorgen - und Investoren anlocken.

Raum für Arbeit, Wohnen, Kultur und Freizeit wurde geschaffen, die denkmalgeschützten Mühlen und Speichergebäude restauriert, Lücken durch architektonisch anspruchsvolle Büroneubauten geschlossen. Zur Abrundung entstand auch eine gastronomische Flaniermeile rund ums Hafenbecken.

Das Brauhaus "Diebels im Hafen" serviert seinen Gerstensaft ganz passend im Getreidespeicher. Die Innenarchitekten machen die Industrietradition sichtbar: mit nackten Abluftrohren, Drahtgitter, Gussstahl-Halterungen und Kupferspiralen.

Das Schienensystem, über das die Fässer aus dem verglasten Keller mitten im Raum direkt an den Tresen fahren, könnte ebenso Getreidesäcke transportieren. Der schwimmende Biergarten auf einem Ponton im Wasser erinnert an die dicken Kähne, die hier zum Be- und Entladen vor Anker lagen.

Sicher wären einst die Hafenarbeiter angesichts der aufgetischten regionalen Gerichte ebenso satt und zufrieden gewesen, wie es die Hafenbummler von heute es sind: Köstlich-deftig schmeckt Erbsensuppe, die dampfend im Henkelmann serviert wird.

Das moderne Pendant zur Industrietradition sind die "Five Boats", ein imposantes Ensemble aus fünf Bauten in Schiffsform, die mit ihrem jeweiligen Bug in Richtung Wasser ragen. Aufsehen erregend ist das ausgefeilte Lichtkonzept, mit dem die Gebäude nachts bunt illuminiert werden - in Gelb, Flieder, Violett, Blau.

Den schönsten Blick auf das Lichtspiel hat man vom gegenüberliegenden "Garten der Erinnerung" mit Überresten aus dem Industriezeitalter, den der israelische Künstler Dani Karavan angelegt hat. Ganz in der Nähe ist eine hochmoderne Synagoge entstanden.

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