„Der Mächtige und der Allmächtige“
Albright rechnet mit Bush ab

Es ist die x-te Abrechnung mit der Politik von US-Präsident George W. Bush. Aber das neue Buch von Ex-US- Außenministerin Madeleine K. Albright "Der Mächtige und der Allmächtige" untersucht vor allem das heikle Verhältnis zwischen Politik und Religion.

HB WASHINGTON. Es ist die x-te Abrechnung mit der Politik von US-Präsident George W. Bush. Aber das neue Buch von Ex-US- Außenministerin Madeleine K. Albright "Der Mächtige und der Allmächtige" untersucht vor allem das heikle Verhältnis zwischen Politik und Religion. Neben der Kritik an der aktuellen US-Führung soll es auch "ein Plädoyer für mehr Verständnis zwischen Europa und den USA, ... zwischen den Linken und Rechten, den säkularem und religiösem Denken" sein.

Albright beschuldigt Bush, seine Präsidentschaft und seine Politik als gottgewollt darzustellen und damit geradezu Antiamerikanismus weltweit zu schüren. "Jeder amerikanische Präsident hat sich in der einen oder anderen Weise auf Gott berufen... . Der Unterschied ist die Gewissheit, mit der sich Bush auf die Religion bezieht ... und sagt, dass Gott auf der Seite Amerikas stehe." Moral müsse durchaus "in der Nähe des Zentrums der Außenpolitik stehen". Aber die liberale US-Demokratin warnt eindringlich davor, Gott in die aktuelle Politik mit einzubeziehen. Realismus und Idealismus in der US-Außenpolitik dürften kein Gegensatz sein, sondern müssten verschmelzen.

Die Tochter tschechischer Flüchtlinge, die christlich erzogen wurde und erst im fortgeschrittenen Alter erfuhr, dass sie jüdischer Abstammung ist, hat ein überaus optimistisches Buch geschrieben. Denn eine der zentralen Fragen des beginnenden 21. Jahrhunderts, die These des Historikers Samuel Huntington vom "Zusammenprall der Kulturen", beantwortet sie mit deutlicher Zuversicht. Sie ist davon überzeugt, dass die Reformkräfte in der islamischen Welt über die Radikalen und Extremisten die Oberhand gewinnen würden - falls der Westen, und allen voran die USA, sich für eine Politik des Dialogs und Respekts entscheiden. Sie glaube an eine "alle verbindende gemeinsame Menschlichkeit". In Wahrheit sei "der Islam eine friedfertige Religion".

Albright macht die Bush-Politik mit ihrem Unilateralismus und dem Krieg gegen den Irak "ohne Ausschöpfung der diplomatischen Möglichkeiten" für eine verfahrene Weltlage und dem Erstarken der Islamisten verantwortlich. "Den Diplomaten meiner Generation brachte man bei, Ärger zu vermeiden, und es gab wohl kein tückischeres Thema als Religion", schreibt die geschulte Diplomatin und warnt vor missionarischen Eifer vor allem in der aufgewühlten islamischen Welt. Demokratiebewegungen im Nahen Osten müssten "unterstützt", nicht aufoktroyiert werden. Eine Politik, die die Welt in Gut und Böse aufteile, müsse scheitern. Madeleine K. Albright: Der Mächtige und der Allmächtige

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