Der Maler Heinrich Zille
„Lach Dir nen Ast und setz Dir druff“

Da können Willy Brandt, Marlene Dietrich und Herbert von Karajan nicht mithalten. Zwar sind auch sie Ehrenbürger Berlins, doch der Hauptstadt populärster Sohn bleibt der Maler Heinrich Zille (1858 bis 1929). Der „Pinselheinrich“ wäre morgen 150 Jahre alt geworden. Bereits vier Denkmäler erinnern an ihn. Das fünfte folgt morgen.

DÜSSELDORF. Im Nikolaiviertel in der Nähe des Zille-Museums darf die Öffentlichkeit ihn dann als Sandsteinfigur bestaunen. Die Beliebtheit verdankt Zille seiner Volksnähe. Kein anderer Künstler hatte zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Zeit der Weimarer Republik die Abgründe Berlins so sozialkritisch und gleichzeitig humorvoll zeichnerisch dokumentiert wie Zille. Seine Beschreibungen des proletarischen „Milljöhs“, seine Humoresken und spöttischen Anekdoten wollten anecken, vor allem in den wilhelminischen Amtsstuben. Jedes seiner Werke bildet eine Einheit aus Bild und Text – Untertitel in schnodderigem Berliner Jargon. Dass die Zeichnungen wie dahingeworfen wirken, macht ihre Meisterschaft aus. Käthe Kollwitz, die lange mit Zille befreundet war, bringt seine Kunst auf den Punkt: „Ein paar Linien, ein paar Striche, ein wenig Farbe mitunter – und es sind Meisterwerke.“

Früh ließ sich der junge Heinrich, Sohn eines Uhrmachers und einer Bergmannstochter, von den Stichen des englischen Malers William Hogarth (1697 bis 1764) inspirieren. Noch auf der Schule nahm Zille Zeichenunterricht. Als Vierzehnjähriger fing er eine Lehre als Lithograph in Berlin an. Dass sich im gleichen Haus ein zwielichtiges Lokal befand, war sein Schicksal. Denn dort beobachtet er nicht nur Saufgelage, sondern auch Kellner, die besoffene, dicke Huren über den Stuhl hängten und auf deren entblößtem Hintern Dauerskat kloppten. Szenen, die Zille Jahre später variantenreich in seinen „Milljöh“-Zeichnungen verarbeitete.

Dass er seine Motive vor allem auf der Straße suchte, verdankte er seinem Mentor, dem Maler Theodor Hosemann, selbst ein präziser Beobachter des Altberliner Spießers. Er riet Zille: „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus, ins Freie, beobachten Sie selber, das ist besser, als wenn Sie mich kopieren. Ohne Künstler werden zu wollen, können Sie Zeichnen im Leben immer gebrauchen; ohne Zeichnen zu können, sollte kein denkender Mensch sein.“

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