Der Oscar war nicht alles
Maximilian Schell ist tot

Maximilian Schell war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler. Die Verleihung des Oscars vor rund 50 Jahren prägte sein Leben. Aber Schell hatte viele Seiten.
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PreiteneggMit Schal und großer Geste inszenierte sich Maximilian Schell gern als Suchender. „Ich habe eigentlich gar keinen Beruf. Ich wandere durch das Leben und durch alle Bereiche der Kunst.“ Schell war mehr als der Oscar-prämierte, in Hollywood erfolgreiche Schauspieler. Er war Opern- und Filmregisseur, Dokumentarfilmer, Musiker, Maler, Bühnenautor. Der in Wien geborene Charmeur mit Schweizer Pass liebte das Leben und die Liebe. Im hohen Alter heiratete er 2013 die 35-jährige Sopranistin Iva Mihanovic.

Mit ihr war Schell, der in der Nacht zu Samstag im Alter von 83 Jahren gestorben ist, gern auf seinem Berghof in Kärnten.

„Die Alm ist einer meiner Ankerpunkte“, sagte Schell einmal. Hier hat er seine Kindheit verbracht, hier hat er in den Jahren vor ihrem Tod seine ältere Schwester Maria (1926-2005) gepflegt. Sie litt an Altersdemenz. Die Schauspielerin gehörte zu den größten Stars des deutschsprachigen Films der 1950er und 1960er Jahre.

Schell war einer der wenigen Mimen, die sowohl in Europa als auch in den USA erfolgreich waren. Für seine Rolle des Verteidigers in Stanley Kramers Gerichtsdrama „Das Urteil von Nürnberg“ erhielt er 1962 einen Oscar. Er war der erste deutschsprachige Schauspieler nach dem Zweiten Weltkrieg, dem diese Ehre zuteil wurde. Fast 49 Jahre lang, bis zum Oscar von Christoph Waltz, war er der einzige lebende deutschsprachige Oscar-Preisträger.

Der US-Filmpreis machte ihn zum Weltstar und trieb seine Hollywood-Karriere voran. Es folgten viele Filme, unter anderem „Topkapi“ (1964), „The Deadly Affair“ (Anruf für einen Toten, 1967) und „Counterpoint“ (Der Befehl, 1967). 1998 stand er für den Hollywoodstreifen „Deep Impact“ vor der Kamera.

Verbindung zur großen Welt des Films hatte Schell bis zuletzt. Hollywoodschauspielerin Angelina Jolie ist seine Patentochter. „Ich hatte Angelina als kleines Mädchen auf dem Arm. Aber das ist Erinnerung“, erzählte Schell gern. Kontakt zur inzwischen glamourösen Patentochter hat er nicht. „Sie weiß wahrscheinlich gar nicht, wer ich bin.“

Lange lebte Schell abwechselnd in Los Angeles und auf seiner Alm in Kärnten. Die Verbindung über den Atlantik hatte er in der Zeit der Bush-Regierung gekappt. „Es war nicht mehr das freie und kreative Land, das ich kannte.“ Zuletzt war er als Ehrengast zu einer Feier anlässlich von 50 Jahren „Das Urteil von Nürnberg“ in den Staaten.

Am Herzen lagen Schell seine Dokumentationen. Er war der Einzige, der die extrem zurückgezogene Marlene Dietrich zu Interviews überreden konnte. Seine Dokumentation „Marlene“ war viel beachtet. Ebenso seine Filmdokumentation über die Schwester Maria 2002, zu der er erst spät eine Verbindung fand.

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, wandte sich Schell, dem die Bühne immer sehr am Herzen lag, auch der Oper zu. In Los Angeles inszenierte er auf Einladung von Placido Domingo 2001 Wagners „Lohengrin“ und 2005 Richard Strauss' „Rosenkavalier“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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