Der Prinz litt unter seinem Sternzeichen "Skorpion"
Mephistos Manieren

Amüsante Sticheleien eines Skorpions: Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate hat aus Sicht des Fremden kommentiert, wie die Deutschen sich zu benehmen wissen – oder auch nicht.

Frankfurt, Kaiserstraße. Eigentlich eine passende Adresse für ein Interview mit dem Großneffen des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Nur dass dieses Frankfurter Bahnhofsviertel so gar nichts Aristokratisches hat, sondern eher Anatolisches und Arabisches zwischen Pizza, Pommes und Pornoshops und – abgehoben im 4. Stock der Hausnummer 66 – viel geduldiges Papier.

Hier residiert der Eichborn-Verlag, der auch Wolfgang Joops rotzfreche Abrechnung mit der Modebranche „Im Wolfspelz“ verlegt. Und jetzt also die „Manieren“ des Asfa-Wossen Asserate. Auch ein Paradiesvogel – aber ein ganz anderer.

Seine „Manieren“, für die er keinen Computer, sondern die Typen einer alten Adler-Schreibmaschine bemüht habe, seien kein Anstandsbuch, auf den Hinweis legt der promovierte Prinz (Dr. phil.) wert. Nichts liege ihm ferner, als den Leser belehren oder ihm gar Vorschriften machen zu wollen. Warum er seine „Manieren“ zu Papier gebracht hat? Wo er sich doch darin die Frage stellt „Wie bleibt man sich treu in Zeiten ohne verbindliches Regelwerk?“ und schriftlich seufzt: „Die Antwort wird man keinem Buch der Welt entnehmen können.“

Ein Buch schreiben, das wollte er schon gleich nach dem Abitur, das er 1968 an der deutschen Schule in Addis Abeba ablegte. Noch besser begründet es Simmel. Nein, nicht Schmökerschreiber Johannes-Mario, sondern der Soziologe Georg Simmel: „Der beste Kenner eines Landes und seiner Gesellschaft ist der Fremde, der bleibt.“

Dass A.-W. Asserate blieb, hat politische Gründe. Eigentlich wollte er nach seinem Studium (Jura, Volkswirtschaft, Geschichte) in Thüringen, Cambridge und Frankfurt zurück in die Heimat und dort in den Staatsdienst. Doch die dortige Revolution hielt ihn ab. So blieb er, gewöhnte sich „an die eigentümliche Zahmheit des gesellschaftlichen Lebens in Europa“, war tätig in den Presseabteilungen der Frankfurter und der Düsseldorfer Messe, wo man sich noch heute daran erinnert, wie diplomatisch der Prinz „Hof hielt“. Heute arbeitet er als selbstständiger Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten.



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