Der Psychiater und Theologe Manfred Lütz hält vom Gesundheitskult wenig. Dafür umso mehr von der Lebenslust.
Kann denn Muße Sünde sein?

Wer an Sünde denkt, dem fallen viele wunderschöne Dinge dafür ein. Bei unseren französischen Nachbarn kann das zum Beispiel eine prickelnde Affäre sein.

In Deutschland ist der Sündenfall dagegen auf das Niveau einer Sahnetorte mutiert. Das meint jedenfalls Manfred Lütz, Psychiater und Theologe aus Köln, der in vielen Talkshows zurzeit wortreich gegen den grassierenden Gesundheits- und Fitness-Trend zu Felde zieht. Sahne? Torte? Sünde?

Für Lütz, der Chefarzt einer Psychatrischen Klinik in Köln ist, sind die Deutschen noch nicht einmal zu diesen kleinen, süßen Sünden bereit. Ihr Grund, warum sie nicht mehr angstfrei in die Sahnetorte beißen: "Die Leute glauben heutzutage nicht mehr an den lieben Gott, sondern an die Gesundheit", sagt Lütz.

Fasten, Wallfahren, all das, was früher für den lieben Gott getan wurde, das tun unsere Fitness-Enthusiasten heute für die Gesundheit. Sündig und lustvoll genießen können sie dafür nicht mehr. Geschweige denn, dass sie sich Zeit fürs Nichtstun nehmen. Einfach so.

Mit dieser Einstellung sind unsere Fitness-Asketen gehörig auf dem Holzweg. Denn sterben müssen wir alle, ob sportlich fit oder krank, meint Lütz.

In seinem Buch "Lebenslust" macht er sich spöttisch über die neue Ersatzreligion Gesundheit her, die sich unbewusst in unserer Gesellschaft breit gemacht habe.

Natürlich ernten dabei auch Fitness-Studios seinen satirischen Spott. Diese Tempel zur körperlichen Ertüchtigung von nicht ausgelasteten Großstadtmenschen sind für ihn ein Kreuz.

Wie neue Marienkapellen kommen sie daher. Stehen sie doch wie diese an Wegkreuzungen. Seine Kritik an der real existierenden Fitness-Kultur macht folgerichtig auch vor den Wellness- und Gesundheitshotels nicht Halt, die allerorten wie Pilze aus dem Boden sprießen.

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