Der Soziologe Ulrich Beck liefert eine anregend formulierte Bestandsaufnahme der deutschen Befindlichkeiten
Die Schlamasselsuppe gemeinsam auslöffeln

Aus und vorbei - die gemütliche Welt der Vollbeschäftigung und des permanenten Wirtschaftswachstums gehört der Vergangenheit an. Angstszenarien statt Verheißungen. Doch wird sich Deutschland auf eine "Gesellschaft des Weniger" einstellen können?

HB DÜSSELDORF.Es muss, schreibt der Soziologe Ulrich Beck in seinem schmalen und gerade deshalb prägnanten Buch zur bevorstehenden Bundestagswahl "Was zur Wahl steht". Wächst die Arbeitslosigkeit weiter und wird die "Schlamasselsuppe um vier weitere Jahre verdickt" (Beck), dann treibt auch die Schere zwischen denen, die an der Gesellschaft teilhaben und jenen, die stigmatisiert deren Ränder säumen, weiter auseinander.

Nicht nur Politik- und Demokratieverdrossenheit, sondern auch Delegitimierung und Destabilisierung gesellschaftlicher Ordnung seien mittelfristig programmiert, warnt Beck. Das ist es, was zur Wahl steht. Wie ein Damoklesschwert hängt die Legitimationskrise des sozialwirtschaftlich-demokratischen Systems über Deutschland, das mit der Globalisierung kämpft.

Beck denkt Globalisierung als Entgrenzung nicht nur der territorialen Grenzen, sondern als Entgrenzung in allen Gesellschaftsabläufen. Normalität sei nicht länger Normalität, Ausnahmen nicht länger Ausnahmen, sondern immer häufiger die Regel mit geballten Unsicherheiten für die "Arbeits-, Biografie- und Lebensformen". Diesen Fakten müssten die Bürger ins Auge sehen.

Ulrich Beck hat in der Vergangenheit auch schon Bundeskanzler Gerhard Schröder beraten. "Er hat eifrig Notizen gemacht. Aber dann ist nichts passiert", vertraute der Wissenschafter später der Wochenzeitung "Die Zeit" an.

Vielleicht gibt der Wissenschaftler, der in München und London lehrt, in seinem Buch deshalb keine explizite Wahlempfehlung ab. Tatsächlich sind die Sympathien klar verteilt. Beck umreißt die Wertewelten, für die Schröder und Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel stehen.

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