Der Stoff, aus dem die Kunst von Henri Matisse ist, inspiriert jetzt mal wieder Kreative
Modemacher als Musterschüler

Der schottische schwarz-weiß gewürfelte Mantel mit dem eleganten Schalkragen, den Henri Matisse 1918 gemalt hat, könnte auch gut eine aktuelle Modeskizze sein.

Die fließenden Gewänder aus seinem "Orientalischen Frühstück" von 1917 wären ein toller Geschenktipp für Weihnachten. Der blaugrüne Stoff, den er 1906 im doppelten Wortsinne malerisch auf seine "Roten Teppiche" drapierte, regt ebenfalls zum Modemachen an, wie schon die Wanderausstellung "Matisse - his arts and textiles", die jüngst in Paris, London und New York gezeigt wurde.

Matisse sei seinerzeit ja auch "als bürgerlicher, dekorativer Künstler beschrieben worden". Darauf verweist Armin Zweite, der Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, in der an diesem Wochenende eine andere Matisse-Ausstellung eröffnet wird. "Keine Retrospektive", darauf legt Zweite Wert, "vielmehr eine thematische Ausstellung", wie ihr Untertitel erkennen lässt: Figur - Farbe - Raum.

Matisse war ein Sammler außergewöhnlicher Objekte. Sie in seinen verschiedenen Bildern zu suchen, ist eine gute und unterhaltsame Schule des Sehens. In der Ausstellung geht es um Matisse-Einrichtungen, in denen nicht nur die Kuratorin Pia Müller-Tann, "ungebrochene Glücksvisionen" sieht. Angeschnittene Wände oder Paravents verstellen "wie Filter den Blick". Tann: "Die Bildränder sind Problemzonen."

Bewohnt werden die üppig dekorierten Räume von Figuren, Frauen, seiner "Femme Fleur" - Weiblichkeit und Blume sind sein oft miteinander verschmelzendes Thema, dessen Verkörperung eher auf Bekleidung als auf Blüten verzichten kann. Das lässt viel Raum für Phantasien - auch modische.

"Matisse arbeitete sehr stofflich und inspirierte immer auch Modemacher", beobachtet Elke Giese vom Deutschen Mode-Institut in Berlin. Seine Bilder haben etwas zweidimensionales. Wände, fast immer mit Ornamenten geschmückt, gehen nicht perspektivisch in die Tiefe, sondern bilden oft breite Streifenmuster, eben wie Stoffbahnen.

Folklore, heute heißt es Ethno-Look, ist zeitlos und taucht alle Jahre wieder auf in den Schauen der Top-Designer wie an den Rundständern von Hennes & Mauritz.

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