Der streitbare Essayist
Martin Mosebach wird 60

Der Essayist Martin Mosebach gilt als großer Erzähler. Als streitbarer Zeitgenosse wünscht er sich den lateinischen Ritus in der katholischen Kirche zurück. Am Sonntag wird er 60 Jahre alt.
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FrankfurtFür seinen eleganten Stil wird er gerühmt. Doch das Schreiben geht Martin Mosebach gar nicht so leicht von der Hand. „Ich muss mich überlisten“, sagt der Schriftsteller. Zur Arbeit an seinen Büchern zieht er sich gerne in ferne Länder wie Indien zurück. Eine List, die zu funktionieren scheint: Mosebach, der am 31. Juli 60 Jahre alt wird, hat ein umfangreiches Oeuvre geschaffen. Dafür hat er 2007 den Georg-Büchner-Preis erhalten, Deutschlands renommierteste Literatur-Auszeichnung. Spätestens seitdem ist er kein Geheimtipp mehr. Im vergangenen Jahr hat es seine vergnügliche Komödie „Was davor geschah“ auch auf die Bestseller-Liste geschafft.

Darin entfaltet er ein Gesellschaftspanorama um ein gut situiertes Ehepaar und deren erlesenen Freundeskreis in einem Taunusstädtchen vor den Toren Frankfurts. Mosebach, der nach seinem Jurastudium mit dem Schreiben begann, wurde als Sohn eines Arztes in Frankfurt geboren. Seine Heimatstadt hat Mosebach in vielen Romanen verewigt - nicht immer schmeichelhaft. Kaum einer hat die Wunden plastischer geschildert, die Krieg und unkontrollierte Nachkriegsbauwut dort gerissen haben.

Aufgewachsen im Frankfurter Westend, hat Mosebach den gesellschaftlichen Wandel hautnah erlebt. In seinem 1992 veröffentlichten Epos „Westend“ macht er Literatur greifbar - es geht zum Beispiel um die Frage, wieso Menschen nach dem Krieg plötzlich historische Villen als hässlich empfinden. „Der Roman kann solche Aspekte der Wirklichkeit besonders gut erfassen“, sagt Mosebach, der in der Dachkammer des elterlichen Gründerzeitbaus zu arbeiten pflegt. Die Wohnung ist vollgestopft mit Büchern, Gemälden und Krimskrams.

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