Design/Fotografie
Wovon sich Wolfgang Joop trennt

Von bonbonfarbenen, stark gerundeten Sofas und Möbeln, die urwüchsig wie Bäume daherkommen, sowie einigen Fotos hat der Ästhet und Modeschöpfer Wolfgang Joop genug. Doch mit einer Gesamtschätzung von 1,5 Mio. Euro wird es bei Christie?s nur eine kleine Versteigerung.
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PARIS. Die Pariser Niederlassung von Christie's erzielte in den letzten Jahren die besten Ergebnisse auf dem Sammelgebiet Art Déco, nicht zuletzt mit den Objekten der Sammlung Yves Saint Laurent-Pierre im Februar 2009. Damals trieben zwei Bieter mit unbeschränkten Aufträgen ein Fauteuil von Eileen Gray auf die astronomische Summe von 21,9 Mio. Euro. Dieses Spitzenergebnis ist vermutlich der Grund, warum der deutsche Modeschöpfer Wolfgang Joop rund dreißig Art Déco-Objekte aus seiner Potsdamer "Villa Wunderkind" bei Christie's in Paris einliefern und am 26. November versteigern lässt. Die Gesamtschätzung von ca. 1,5 Mio. Euro kann selbstverständlich nicht mit den 50,7 Mio. Euro der Art Déco-Sammlung Claude und Simone Dray bei Christie's im Jahre 2006 konkurrieren, geschweige denn mit dem YSL-Bonus und dessen preislichen Höhenflügen, die 59,1 Mio. Euro für die Art Déco-Objekte verbuchten. Der Auktionskatalog "Sammlung Wolfgang Joop" liegt zwei Wochen vor der Auktion noch immer nicht vor. Das wäre bei Saint Laurent-Bergé und Dray unmöglich gewesen.

Der 1944 in Potsdam geborene Joop erwarb in seiner Geburtsstadt zwei Villen, die er aufwendig restaurieren ließ: die Villa Rumpf und die 1904 erbaute Villa Metz, deren Namen er auf "Villa Wunderkind" änderte. Die 2003 von Joop gegründete Accessoire- und Prêt-à-porter-Linie trägt den gleichen ehrgeizigen Namen, den der Modedesigner mit 60 Jahren für sich in Anspruch nahm.

Wilde Tiere im Salon

Ein ganz besonderes Kunstwerk ist ein Sideboard aus Palmenholz des Art Déco-Fürsten Eugène Printz (1889 - 1948), dessen Türen mit stilisierten Tieren in der von Jean Dunand (1877-1942) praktizierten Messing-Bearbeitungstechnik, der sogenannten "Dunanderie", geschmückt sind. Die Taxe dieses Salon-Möbels beträgt 300.000 bis 500.000 Euro. Weitere Highlights sind die Skulpturen-Möbel des Designers Alexandre Noll (1890-1970), der Künstlerisches mit Kunsthandwerk und Ästhetik mit Nutzbarkeit zu verbinden wusste. Ein Champagner- Kabinett aus Ebenholz (Taxe 250.000 bis 350.000 Euro), sowie eine 1945 entstandene Kommode (35.000 - 40.000 Euro) gehören zu diesem Noll-Ensemble. Aus den 1960er-Jahren stammen die Möbel von Jean Royère, darunter ein "Boule" benanntes Sofa und ein dazu passendes Fauteuil mit der Taxe von 150.000 bis 200.000 Euro.

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