Deutsche Ausnahmeerscheinung
SAP: Die Matrix der Welt

Das Buch „Matrix der Welt. SAP und der neue globale Kapitalismus“ von L. Siegele und J. Zepelin ist die Geschichte des einzigen deutschen Software-Herstellers von Weltformat. Darin verbinden die beiden Autoren die Geschichte von SAP mit einer Historie der Marktwirtschaft und lassen einfließen, wie wichtig die ganz unterschiedlichen Temperamente der Firmengründer für den Erfolg des Unternehmens waren.
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In ihrem Buch, dass auch für Nicht-Fachleute gut zu verstehen ist, stellen die Autoren SAP als eine Ausnahmeerscheinung dar, die sich nicht unbedingt wiederholen lässt.

Das Buch (Campus-Verlag) hat vier Ebenen: die betriebliche Bedeutung von Unternehmenssoftware für die globalisierte Wirtschaft, das Wachsen von SAP, die handelnden Personen und weshalb die deutsche Gesellschaft eher wenig Voraussetzungen für eine aussichtsreiche Software-Schmiede mit sich bringt. Die beiden Autoren, die in zweieinhalb Jahren mit 50 Mitarbeitern von SAP gesprochen haben, darunter der gesamten Führungsebene, haben beide lange als Technologie-Korrespondenten in Silicon Valley gearbeitet. Sie kennen also beide Seiten: Deutschland und die Software-Supermacht USA, was dem Buch ein ausgeprägt internationales Flair gibt.

Was das Buch auf angenehme Weise "undeutsch" macht, ist der sehr konkrete, am Unternehmen orientierte Schreibstil, der aber immer globale wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen mit im Blick hat.

Siegele und Zepelin sehen Software für betriebliche Anwendungen als Vollendung der doppelten Buchführung: Sie steigert die Effizienz des Kapitalismus, weil sich Unternehmen damit viel genauer und schneller durchleuchten und auch steuern lassen. Man kann das Buch also als eine Fallstudie zur Globalisierung lesen, man kann es aber auch als eine minutiöse Analyse eines unwahrscheinlichen wirtschaftshistorischen Zufalls studieren.

Ausgerechnet im etwas schwerfälligen, sehr technikverliebten und innerbetrieblich stark hierarchisierten Deutschland entsteht ein Unternehmen, das wie kein anderes auf extrem schnelle Produktentwicklung und Kundenorientierung angewiesen ist. Schließlich ist es auch ein Beitrag zu der - in Deutschland sehr schwer zu führenden - Debatte darüber, in welchen Branchen und unter welchen Voraussetzungen wir auch in Zukunft große Exporterfolge feiern können. Wo müssen wir besser, offener werden? Siegele und Zepelin verweisen hier auf die nach wie vor ungelöste Problematik ausreichender Zuwanderung.

Ob SAP selbst auf Dauer die Herausforderungen bestehen kann, bleibt am Ende offen. Der Schlüssel für den Erfolg jedes Unternehmens sei künftig die Bereitschaft, seine Kernkompetenz stets neu zu definieren, Randbereiche abzustoßen und die eigene Organisation anzupassen, schreiben die Autoren. SAP versuche, über sich selbst hinauszuwachsen, die Walldorfer Spargelfelder endgültig hinter sich zu lassen, was die Firmenkultur angeht, und verstärkt dort zu produzieren, wo die besten Leute sind. Die Autoren sehen gute Chancen, dass dies unter dem neuen Chef Léo Apotheker gelingt, verweisen aber auf die Anlaufschwierigkeiten des neuen Produkts "Business by Design". Insgesamt ein gut zu lesenden und für deutsche Verhältnisse sehr ungewöhnliches Wirtschaftsbuch.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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