Deutsche Fotothek
Dienstleister für fotografische Nachlässe

Immer mehr Fotografen und ihre Erben fragen sich, wo ihre Archivalien und Bildsammlungen sicher bewahrt und zugänglich gemacht werden können. Die Deutsche Fotothek in Dresden rüstet sich für die zukünftige Beratung und Vermittlung innerhalb eines Netzwerks von Institutionen.
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DüsseldorfDeutschland erhält eine Perspektive auf eine Institution, die Fotografennachlässen eine dauerhafte Zukunft geben soll. Die Pläne dafür werden an der Deutschen Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden in Kooperation mit der Stiftung F. C. Gundlach, Hamburg, erarbeitet. Das Konzept stellten Jens Bove, Leiter der Fotothek, und Sebastian Lux, Kurator der Gundlach-Stiftung kürzlich auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) in Wolfsburg vor.

Versuche, in Deutschland nach Schweizer Vorbild eine auf Bundesebene angesiedelte Anlaufstelle für Archive und Nachlässe neu zu gründen, scheiterten wiederholt an der föderalen Struktur der Bundesrepublik. In Erinnerung sind noch die von dem Sammler und Publizisten Manfred Heiting verfolgten Bemühungen um ein „Deutsches Centrum für Photographie“ in Berlin 1999 oder der Aufruf zur Gründung einer „Deutschen Stiftung Photographie“ (2006), hinter der F.C. Gundlach, Fotograf und Gründungsdirektor des Internationalen Hauses der Photographie in Hamburg, und Margot Klingsporn, Chefin der Bildagentur Focus, standen.

Anders als die Vorgängerinitiativen, die in den Augen von Skeptikern den Charakter eines „Staubsaugers“ hatten, begreift sich die Deutsche Fotothek als strategischer Partner in einem Netzwerk von Institutionen mit fotografischen Archiven und Sammlungen. Selber ist sie dennoch bestens gerüstet, um mit ihrer in Jahrzehnten gesammelten Erfahrung auch Verantwortung für die Erhaltung und Vermittlung zu übernehmen. Mit 3,4 Millionen Aufnahmen gilt sie als eines der bedeutendsten deutschen Bildarchive der Kunst- und Fotografiegeschichte.

Digitales Schaufenster

Das zukünftige Aufgabenspektrum der Dresdener Einrichtung soll drei Bereiche umfassen. Sie soll erstens Nachlassgeber dahingehend beraten, an welchem Ort das Werk und der schriftliche Nachlass am sinnvollsten aufgehoben werden kann. Sie soll zweitens überregional bedeutende Nachlässe, die an keinem anderen Ort sinnvoll untergebracht werden können, entgegennehmen, zugänglich machen und aktivieren, d.h. publizieren und ausstellen. Drittens fungiert die Dresdener Einrichtung, unabhängig davon, wo der Nachlass seinen Aufbewahrungsort finden wird, als digitales Schaufenster einer ausgewählten Zahl von Werken. Beispiele stehen bereits online wie zum Beispiel ein repräsentatives Konvolut von Arbeiten aus dem Werk des Modefotografen Gundlach. Die Website wird in Kürze überarbeitet.

Noch klärungsbedürftig ist die Rolle, die das im Sommer 2011 gegründete Netzwerk Fotoarchive e.V. in diesem Dresdener Projekt spielen wird. Der gemeinnützige Verein, der Fotografen oder ihren Erben bei der Suche nach einem Ort für ihre Archivalien helfen und Institutionen in Fragen der Sicherung und Aufarbeitung einzelner Archive unterstützen will, wurde auf Initiative der Zeitschrift Photonews gegründet. Er kooperiert mit der Website fotoerbe.de. Beide Initiativen sind starke Befürworter dezentraler Strukturen. Sie könnten dem Dresdener Projekt nützliches Know-how liefern.

Vorbilder im Ausland

Vorbild für ein netzbasiertes Portal für Nachlässe und Sammlungen liefert das vom französischen Staat angetriebene Projekt araGo, das erst im März online ging. In Polen arbeitet die Archeology Photography Foundation an Plänen für den Aufbau einer europäischen Internet-Plattform.

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