Deutsche Geschichte bei den Academy-Awards: Oscar-Nominierung kann politisch sein

Deutsche Geschichte bei den Academy-Awards
Oscar-Nominierung kann politisch sein

Der Regisseur Oliver Hirschbiegel sieht die Nominierung seines Films „Der Untergang“ für den Oscar auch „als ein politisches Statement der Filmakademie“ in Hollywood. In einem dpa- Gespräch sagte der 47-Jährige: „Es wird offensichtlich unser Ansatz gewürdigt, dass wir versuchen, deutsche Geschichte mit dieser neuen Sicht zu bearbeiten.“

HB HAMBURG. Für Hirschbiegel ist es nicht entscheidend, mit dem von Bernd Eichinger produzierten Hitler-Film tatsächlich einen Oscar einzuheimsen. „Für einen Filmemacher ist es schon das Größte, überhaupt dabei zu sein, das ist wie olympisches Gold. Ob Oscar oder nicht - wir feiern wie die Teufel.“

Kritik, „Der Untergang“ heroisiere Hitler und ermögliche Sympathie mit einigen Nazi-Größen, habe ihn wenig berührt, sagte Hirschbiegel. Das meiste davon „war Polemik, und Polemik entsteht immer dann, wenn es an Argumenten mangelt“. Sein Ziel sei es auch gewesen, mit dem „Untergang“ einen offenen Austausch zwischen den Generationen in Gang zu bringen. „Man hat pauschalisiert und man hat dämonisiert. Dabei ist es doch wichtig, den Menschen, die daran beteiligt waren und heute alt sind, Gelegenheit zu geben, sich zu äußern, damit innerhalb der Gesellschaft ein Gespräch stattfinden kann.“

Sein Film habe dafür Anstöße gegeben. „Plötzlich wird innerhalb der Familien gesprochen, weil sich da ein Knoten gelöst hat. Man hat zwar nur mit Tätern zu tun im Film, aber es gibt einen emotionalen Zugang, weil man sieht, das sind Menschen, wie irregeleitet auch immer. Das scheint den Austausch zu ermöglichen.“ Die Verbrechen der Nationalsozialisten seien „die grauenhaftesten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit“ gewesen: „Es gibt nichts, was vergleichbar ist. Und es war ja nicht so, dass da einige wenige Wahnsinnige über das deutsche Volk gekommen sind, sondern das deutsche Volk hat in einem großen Maße Hitler und diese Partei gewählt und damit eine extrem krude und menschenverachtende Weltsicht. Und es hat dann im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wirklich aktiv in großer Zahl an diesen Verbrechen teil gehabt“, sagte Hirschbiegel. „Ich finde, man muss sich damit auseinander setzen, dass Menschen, deren Blut noch in den eigenen Adern fließt, für derartiges Grauen verantwortlich sind.“

Hirschbiegel will sich dem Thema aber nicht noch einmal filmerisch widmen. „Als Filmemacher erzähle ich Geschichten. Dafür muss ich mich komplett in die Materie versenken - und das ist in diesem Fall unerfreulich.“ Als Deutscher werde er „von diesem Komplex Nationalsozialismus nie wegkommen“, aber „meine Lust, mich noch einmal in diesen Sumpf, in diesen Dreck zu begeben, ist gleich null“. Wirklich Lust habe er auf eine Komödie oder eine schöne Liebesgeschichte: „Ich würde gerne was mit starken Frauenfiguren machen“, sagte Hirschbiegel. Hollywood reize ihn auf Dauer nicht. „Ich möchte nicht nach Amerika gehen, ich möchte gern in Europa leben. Mein Ideal ist, dass ich einen großen Film in Amerika mache und dann wieder zurück komme nach Deutschland und einen schönen, kleinen, ungewöhnlichen Fernsehfilm mache, den man nur in Deutschland machen kann.“

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