Deutsche Musikcharts im Wandel
Warum Zuhälter-Rap Pink Floyd schlägt

Eine alte Rockband stürmt die Charts. Doch die Musikindustrie hat sich in den letzten 20 Jahren verändert: Digitale Downloads liegen im Trend. Und davon profitiert der Rapper Kollegah, der gerade vor Gericht stand.
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DüsseldorfSchon vor der Veröffentlichung von „The Endless River“ stellten Pink Floyd einen Rekord auf: Der Handelsriese Amazon meldete, das Album sei in Großbritannien das am meisten vorbestellte Album in der Geschichte des Konzerns.

Die Meldung zeigt, welche Relevanz Amazon mittlerweile als Händler gewonnen hat: Bevor das Album überhaupt in die Geschäfte kam, konnte das Unternehmen schon einen durchschlagenden Erfolg der neuen Platte vorhersagen.

Der angekündigte Triumph ließ auch in Deutschland nicht auf sich warten. Direkt in der ersten Woche setzte sich das Album an die Spitze der offiziellen deutschen Albumcharts. Allein durch die realen Verkäufe in der ersten Woche habe das Album Goldstatus erreicht, sei also 100.000 Mal verkauft worden, meldete die Agentur Networking Media, die Pink Floyd in Deutschland vermarktet.

Zum einen bewahrheitet sich die Amazon-Prophezeiung also: Das Album ist bemerkenswert erfolgreich – vor allem angesichts dessen, dass es nach 20 Jahren Pause das erste musikalische Lebenszeichen der Band ist. Im schnelllebigen Musikbusiness dürften nur die allerwenigsten Top Acts in der Lage sein, nach so einer langen Pause direkt wieder auf Platz 1 der Charts einzusteigen.

Doch auf Rekordkurs gehen die Altrocker mit diesen Verkaufszahlen in Deutschland nicht. Denn der deutsche Rapper Kollegah, der gerade vor Gericht freigesprochen wurde, hat alleine in der ersten Verkaufswoche im Mai dieses Jahres sein Album „King“ um die 160.000 Mal verkauft.

„Das schafft Pink Floyd nicht“, sagt Nadine Arend vom Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment, das im Auftrag des Bundesverband Musikindustrie e.V. (BVMI) die deutschen Charts ermittelt. Für die Musikhitlisten bekommt die GfK die Verkaufsdaten von allen großen Händlern in Deutschland geliefert.

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  • Aus der Sicht der Vermarktung könnte es doch nicht besser sein. Jugendliche Trotte aus sozial benachteiligten Familien, alle mit Smartphone, alle unfähig, Fiktion und Realität zu unterscheiden. Das "Kollegah" zumindest mal als Jurastudent noch immatrikuliert ist mutig, andere Gangsterrapper haben stets versucht, ihre nicht allzu oft vorhandene Prekariatsherkunft zu vertuschen. Die Erwartungshaltung des Kunden erfüllen....Storytelling. Straßenglaubwürdigkeit. Mal die Comments auf Youtube unter solchen Videos anschauen, ich persönlich fand es in den 90ern angenehmer, als noch nicht jeder Einzeller Internetzugang hatte. Einen korrekten Satz deutsche Sprache schreiben können die bis heute auch nicht. Voll Krass Alder LOL und ROFL. Kollegah rockt, er weiß dieses White-Trash-Publikum zu unterhalten - und zu verdienen.

  • Es gibt mittlerweile in Deutschland ja auch genug "Dummvolk" die als Kundschaft für Genossen wie Kollegah dienen. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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