Deutsche Skandale
Die Sünderin, Contergan und Hitlers Tagebücher

Der Traum des Journalisten ist der Albtraum des Politikers, des Managers oder des Sportlers. Skandale werden erst durch die Medien zum Skandal. Die größten in der Geschichte der Bundesrepublik lässt jetzt eine Ausstellung in Bonn Revue passieren.

fk/dpa BONN. Skandale sind nur verständlich vor dem Hintergrund der Moral ihrer Zeit. Hildegard Knefs nackter Körper in dem „Skandal“-Film „Die Sünderin“ (1951) würde heute selbst einen katholischen Bischof nicht mehr aufregen. Aber Skandale können auch ihrerseits die Moralvorstellungen verändern, sie sind Indikatoren des kulturellen Wandels.

Große Skandale aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kultur behandelt eine Ausstellung (vom 12. Dezember bis 24. März) im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Rund 650 Objekte zeichnen den Verlauf von 20 Skandalen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nach.

Die ausgewählten Fälle, darunter der Contergan-Skandal, die Spiegel-Affäre, die Starfighter-Abstürze, die gefälschten Hitler-Tagebücher, Uwe Barschels Tod, die CSU-Amigos und die Mannesmann-Abfindungen, hatten alle bleibende Wirkung. „Skandale zeigen, wie die Gesellschaft mit Defekten umgeht“, sagt die Projektleiterin Andrea Mork. „Wir wollen einen neuen Zugang zu deutscher Zeitgeschichte präsentieren“, sagt Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte.

Der Skandal wird in der Ausstellung als ein in Demokratien regelmäßig wiederkehrendes Phänomen beschrieben. Daher könne auch nur ein Fall aus der ehemaligen DDR vorgestellt werden: die Schein-Kommunalwahlen von 1989 und die Proteste dagegen. Davor habe die Öffentlichkeit gefehlt. „Nur in Diktaturen herrscht Friedhofsstille“, sagt Hütter. Insofern sei die Vielzahl deutscher Skandale seit 1945 durchaus beruhigend.

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