Deutsche Winzer
Angst vor den „Coca-Cola-Weinen“

Bald soll billiger Kunstwein aus den USA den freien Zugang nach Europa bekommen. Deutschlands Winzer sind empört, denn kein Hinweis auf dem Etikett soll dann zeigen, ob ein Wein mit Wasser verdünnt oder mit Pfirsicharoma geschönt wurde. So jedenfalls sieht es das neue Weinhandelsabkommen zwischen der EU und den USA vor, das den EU-Agrarministern bei ihrem Treffen am 19. und 20. Dezember zur Unterschrift vorliegt.

HB HAMBURG. Den Protesten des deutschen Weinbauverbandes DWV hat sich nun auch der Verband der Prädikatsweingüter VDP angeschlossen. VDP-Präsident Michael Prinz zu Salm fürchtet von den "Coca-Cola-Weinen" aus den USA zwar keine direkte Konkurrenz für deutsche Topweine, aber doch eine tiefe Verunsicherung der Verbraucher. "Schon jetzt werden 70 Prozent aller Weine in Supermärkten gekauft", sagt Salm. "Da wird der Verbraucher nur über das Etikett angesprochen."

Salm sieht die Ideale des deutschen Weinbaus ad absurdum geführt: In Deutschland gilt Wein als kunsthandwerkliches Kulturgut, geprägt von Boden, Klima und dem Können der Winzer. Auf der anderen Seite entwickele sich Wein mehr und mehr zum Industrieprodukt, das als "Designerwein" beliebig dem Konsumentenprofil angepasst werden kann.

In den USA sind für Wein Produktionsmethoden zugelassen, die in der Europäischen Union verboten sind. Dazu gehören Wasserzusätze und die "Fraktionierung" des Weins, ein Schleuderverfahren, um die Bestandteile zu trennen und beliebig mit Aromazusätzen wieder zusammenmischen zu können. Auch die teure und lange Lagerung im Eichenfass zur Anreicherung der Tannine edler Weine kann man in den USA umgehen, indem einfach Holzchips in Stahltanks geworfen werden.

Zwar hat das Weltweininstitut OIV einen internationalen Standard für die Weinproduktion ausgearbeitet, aber die USA sind im jahrelangen Streit mit den Europäern aus der Organisation ausgetreten. Scheitert das neue Handelsabkommen, kann Washington den Import durch ein strenges Zertifizierungsverfahren für Weine behindern. Berühmte deutsche edelsüße Beerenauslesen und Eisweine würden ganz die Zulassung verlieren, weil sie oft weniger als sieben Prozent Alkohol haben, in USA also gar nicht als Wein gelten.

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