Deutscher Film ist im Kommen
Steuerrecht ist Mühlstein für deutsche Filmbranche

Das komplizierte Steuerrecht in Deutschland verhindert nach Einschätzung der größten deutschen Produktionsfirma in Hollywood, Cinerenta, bisher einen internationalen Durchbruch des deutschen Films.

HB BERLIN. „Im Moment behindert uns der Gesetzgeber grob fahrlässig“, kritisierte Cinerenta-Geschäftsführer Marco Mehlitz vor der Eröffnung der Berlinale. So müssten Koproduktionen mit ausländischen Partnern nach deutschem Recht anteilig von den Beteiligten in jedem Land versteuert werden. Dies schrecke wegen der deutschen Steuern jedoch viele ausländische Produzenten ab. „Dadurch wird eine Koproduktion fast unmöglich gemacht“, bemängelte Mehlitz. Zugleich sei es schwierig, amerikanische Stars zum Dreh in Deutschland zu bewegen, wenn sie hier 50 Prozent statt zu Hause 20 Prozent Steuern auf ihre Gage zahlen müssten. Teilweise forderten die Schauspieler schon Netto-Gagen.

„Ich würde wahnsinnig gern schon allein wegen der Risikostreuung Koproduktionen machen und viel mehr in Deutschland produzieren. Kann ich bloß nicht“, sagte Mehlitz. Ausländische Partner wollten sich schlicht nicht auf das deutsche Steuersystem einlassen. Dies werde auch daran deutlich, dass verhältnismäßig wenige ausländische Produktionen wie „Enemy at the Gates“, „Der Pianist“ oder „In 80 Tagen um die Welt“ in Berlin gedreht würden, obwohl die Stadt weiter eine große Anziehungskraft auf internationale Filmemacher ausübe. „Das ist ein Film pro Jahr in einer Stadt, die wahrscheinlich locker sechs bis acht Produktionen von so einer Größe vertragen könnte“, sagte Mehlitz.

Grundsätzlich sei der deutsche Film jedoch im Kommen, betonte der Produzent. Dies zeigten internationale Erfolge wie „Irgendwo in Afrika“ und „Good Bye, Lenin“ im vergangenen Jahr.

Auf der wirtschaftlichen Seite sei international und in Deutschland ein Ende der Krise auf dem Filmmarkt abzusehen. Auch Cinerenta spüre seit dem vergangenen Sommer einen Anstieg der Nachfrage. Viele Sender hätten offenbar ihren Überhang an Filmen abgebaut. „Da ist wieder Bewegung drin. Noch lange keine Erholung, aber eine Bewegung - und das ist ja das Entscheidende, damit der Markt sich erholt“, sagte Mehlitz.

Die Cinerenta mit Sitz in München hat unter anderem den Film „Final Cut“ mit Robin Williams produziert, der im Wettbewerb der Berlinale laufen wird. Wie in der Branche üblich, finanziert das Unternehmen seine internationalen Filmprojekte über selbst aufgelegte und steuerlich begünstigte Film-Fonds vor. Seit der Gründung 1997 hat Cinerenta nach eigenen Angaben in Hollywood für rund eine halbe Milliarde Dollar Filme produziert, darunter das Drama „The Humain Stain“ (Der menschliche Makel) mit Nicole Kidman. Das Unternehmen produziert hauptsächlich Independent-Filme mit einem für Hollywood niedrigen Budget von unter 30 Millionen Dollar, während große Studios bis zu 200 Millionen Dollar pro Produktion ausgeben.

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