Deutscher Liedermacher
Poet und „Drachentöter“ – Wolf Biermann wird 80

„Ich möchte am liebsten weg sein – und bliebe am liebsten hier.“ Solche Widersprüche haben das Leben von Wolf Biermann immer wieder bestimmt. Jetzt wird der berühmte DDR-Dissident 80 Jahre alt.
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BerlinSein größtes Geschenk hat Wolf Biermann sich wohl selbst gemacht. Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag am Dienstag den 15. November erschien seine Autobiografie „Warte nicht auf bessre Zeiten!“ – und katapultierte den Liedermacher und einstigen DDR-Kritiker auf einen Schlag wieder ins wohlige Rampenlicht. Kein Sender, keine Zeitung, kaum eine Talkrunde, die an dieser sehr persönlich gefärbten Lebensgeschichte vorbeikam.

Nun also der runde Geburtstag. Und, seltsamer Zufall, nur einen Tag später die Ausbürgerung aus der DDR vor 40 Jahren. Der unerwartete Widerstand prominenter DDR-Künstler wie Christa Wolf, Stephan Hermlin und Heiner Müller gegen die Verbannung des populären Barden läutete damals den Anfang vom Ende der DDR ein. Biermann wurde zu der historischen Figur, die er heute ist.

Kurz zuvor hatte der wortmächtige Poet sein legendäres Kölner Konzert gegeben. Nach elfjährigem Berufsverbot war ihm von den SED-Oberen überraschend erlaubt worden, am 13. November 1976, dem Geburtstag seines schmerzlich vermissten Vaters, für die IG Metall in der Sporthalle Köln aufzutreten.

Viereinhalb Stunden steht er da vor ausverkauftem Haus und gibt seine ruppigen Spottlieder zum Besten. „Dabei ahnte ich natürlich nicht, dass ich auch den ganzen Abend nur brav „Hänschen klein, ging allein“ hätte singen können“, notiert er in seinen Memoiren. „Die Ausbürgerung war ja längst beschlossen.“

25 Jahre Leben im Arbeiter- und Bauernstaat hatte er zu diesem Zeitpunkt hinter sich. Sein Vater, ein kommunistischer Jude, war von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet worden. Die Mutter Emma schickt ihren Sohn mit 16 aus der Heimatstadt Hamburg in die DDR, damit er dort die kommunistischen Ideen seines Vaters umsetzt.

Nach unverhohlener Begeisterung zu Beginn eckt er mit seinen subversiv-poetischen Liedern zunehmend bei den Machthabern an, ehe er 1965 ganz verboten wird. „Du, lass dich nicht verhärten/In dieser harten Zeit/Die all zu hart sind, brechen/Die all zu spitz sind, stechen/Und brechen ab sogleich“, schreibt er 1968 in seinem berühmten Lied „Ermutigung“.

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„Rachsucht des Rechthabers“

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