Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2008
Rezension: Verdoppelung des Wohlstands

Zehn Bücher sind in die engere Wahl für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2008 gekommen. Bis zur Preisverleihung am 16. Oktober stellt das Handelsblatt jede Woche einen der Kandidaten vor. In dieser Woche entwickeln Peer Ederer, Philipp Schuller und Stephan Willms den Geschäftsplan Deutschland.

DÜSSELDORF. Alle Menschen zwölf Jahre zur Schule schicken, bis zum Alter von 75 Jahren arbeiten und möglichst viele Türken ins Land holen – das sind drei Kernforderungen des Buchs „Geschäftsplan Deutschland“. Im Gegenzug versprechen die Autoren Peter Ederer, Philipp Schuller und Stephan Willms eine Verdoppelung des Wohlstands bis zum Jahr 2033.

„Die präsentierten Fakten oder Maßnahmen mögen für sich genommen nicht immer neu oder überraschend sein“, schreiben die Autoren selbst. Aber sie wollen eine „Synthese“ bieten, in der Themen wie Verbesserung der Schulen und Hochschulen, Ausbau des lebenslangen Lernens und eine vernünftige Einwanderungspolitik zu einer schlüssigen Strategie zusammengefasst werden.

Das Buch beeindruckt durch eine Fülle von Fakten, Vorschlägen und Grafiken. Sehr ansprechend sind zudem die begleitenden Fotos, die bei einem „Education Program“ der Berliner Philharmoniker und bei Proben eines Kinder- und Jugendzirkus mit sozialpädagogischem Anspruch aufgenommen wurden. Ins Auge fallen auch die optisch herausgestellten, häufig originellen Zitate. Zum Beispiel, wenn der an der Uni Helsinki für die Zulassung von Lehramtskandidaten Zuständige sagt: „Wer sagt, er hält seine Stunden ,erstens, zweitens, drittens ...’, den nehmen wir nicht. Wer die ganze Prüfung über nicht einmal lacht, den nehmen wir auch nicht. Wer zu viel redet, den nehmen wir nicht.“

Von seinem Grundkonzept her ist der „Geschäftsplan“ wie eine Art Geschäftsbericht aufgebaut. Konsequent spricht er an vielen Stellen daher von „Humanvermögen“, wenn es um wertvolle Bildung oder Ausbildung geht. Diese Ansprache wird freilich vor allem die Leser erreichen, die den Umgang mit geschäftlichen Dokumenten gewohnt sind. Das Buch lässt sich gut am Stück lesen. Die einzelnen Kapital – Produktivität, Ausbildung, Schule, Arbeitsmarkt, Immigration – sind aber auch allein aussagefähig. Manche Thesen dürften Widerspruch ernten, etwa die plakative Aussage: „Kein Nokia in Bochum mehr – umso besser“, oder: „Zu selten gehen alte Arbeitsplätze verloren.“

Über weite Strecken wirkt das Buch im besten Sinne aufklärerisch, wenn es etwa den positiven wirtschaftlichen Beitrag der Zuwanderer herausstellt – der sich trotz der bekannten Probleme im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt errechnet.

Oder wenn die Autoren betonen, die Qualität der Schule sei keine Frage der Finanzen oder der Klassengrößen. Aber auch, wenn sie die hohe Lebensqualität deutscher Städte herausstellen, die nur von denen der Schweiz übertroffen wird.

Die Autoren sparen nicht mit Kritik an der Politik. So heißt es: „Seit einer Generation wird Deutschland von Personen geführt, denen die Macht Selbstzweck ist anstatt Instrument der Realisierung einer Vision der Zukunft.“ Oder sie beklagen, der „Diskurs“ in den „allabendlichen Polit-Talkshows“ sei „alles – moralisch, ordnungspolitisch, apokalyptisch –, nur nicht strategisch, also an konkreten, realistischen und langfristigen Zielen orientiert“.

Peer Ederer et al: Geschäftsplan Deutschland


Schäffer Poeschel, Stuttgart 2008
276 Seiten, 24,95 Euro

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%