Deutscher Wirtschaftsbuchpreis
Rezension: Warum Ronaldinho reich ist

Zehn Bücher sind in die engere Wahl für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2008 gekommen. Bis zur Preisverleihung am 16. Oktober stellt das Handelsblatt jede Woche einen der Kandidaten vor. In dieser Woche erklärt Winand von Petersdorff Jugendlichen die Welt der Ökonomie.

DÜSSELDORF. „Im Grunde ist die Angelegenheit einfach: Alle sollen satt werden, ein Dach über dem Kopf haben und Freude an ihrem Leben finden“, so schreibt Winand von Petersdorff in der Einleitung zu seinem Sachbuch „Das Geld reicht nie“. Die Angelegenheit zu regeln, das obliegt auch der Wirtschaft. Weil es aber ganz so einfach doch nicht ist, hat von Petersdorff in die Tasten gegriffen. Sein Anliegen: Grundzüge der Wirtschaft für junge Menschen so versteh- wie durchschaubar zu machen. Das gelingt ihm vorzüglich.

Dass es von allem immer irgendwie zu wenig gibt, weiß jedes Kind – und hat damit schon den Kern der Ökonomie unbewusst erfasst: „Es geht um den sorgsamen Umgang und die sinnvolle Verteilung von dem, was knapp ist.“ Wirtschaft ist das pralle Leben. Deshalb bedient sich von Petersdorff unzähliger Beispiele aus der Welt der Jugendlichen, um ökonomische Zusammenhänge transparent zu machen. So geht er der Frage nach, warum es Handys in Verbindung mit einem Mobilfunkvertrag umsonst gibt, schaut sich den Trick mit Menü-Preisen in Schnellrestaurants an oder erläutert, warum eine Coke an der Autobahnraststätte deutlich teurer ist als im Supermarkt und warum Fußballstar Ronaldinho mehr verdient als ein gewöhnlicher Papa.

Das Buch ist anschaulich gegliedert; die Kapitel tragen Überschriften wie „Die Welt der Unternehmen“, „Ein Gebilde namens Staat“ und „Das liebe Geld“. Sie lichten die Nebel um Grundbegriffe wie Bruttoinlandsprodukt, Wachstum und Schuldenberg ebenso, wie sie sich kritisch mit Arm und Reich auseinandersetzen. In dem Kapitel „Die große weite Welt“ geht es um die Globalisierung und ihre Auswirkungen. Andernorts unterzieht der Autor gegensätzliche Begriffspaare eingehender Betrachtung: Markt- versus Staatswirtschaft; Demokratie versus Diktatur und Privat- versus Gemeinbesitz.

Bei allem sind von Petersdorffs Sätze knapp, prägnant und ein Beispiel dafür, dass man, um verständlich zu schreiben, besser nicht unnötig viele Worte macht. Seine Sprache ist jugendlich frisch, ohne sich anbiedernd juvenil zu geben. Beispiel Kredite: Das Prinzip der Vergabe erläutert von Petersdorff beispielhaft; schließlich legt er dar, warum Zinsen sinnvoll sind und kein Diebstahl. Das Fazit zu guter Letzt: „Zins ist Kohle für Cash.“ Das klingt einleuchtend und bringt einen komplexen Sachverhalt auf den Punkt.

Auch schwierigere Zusammenhänge erklärt er mit einfachen Worten: So lernt der Leser wie Tarifverhandlungen funktionieren, für was der Staat gut ist und was er besser unterlässt oder warum Väter ihre Jobs verlieren. Von Petersdorff, Wirtschaftsredakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, hat vier Kinder, und wohl auch deshalb kann er sich gut in die Welt der „kleinen Leute“ hineinversetzen. Er fordert die jungen Leser, ohne sie zu überfordern. Pfiffige Illustrationen von Karsten Schreurs laden Augen wie Hirn während der Lektüre zum Verschnaufen ein und runden das geglückte Zusammenspiel von Inhalt, Ton und Gestaltung für heranwachsende Leser ab.

Winand von Petersdorff-Campen: Das Geld reicht nie
FAZ Buch, Frankfurt 2007
175 Seiten, 19,90 Euro

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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