Deutsches Porzellan
Zerbrechliche Schönheit

Der Markt für deutsches Porzellan des 18. Jahrhunderts ist im Umbruch. Hier kann man jetzt gut einsteigen. Herausragende Figuren und Service der Manufakturen Frankenthal, Fürstenberg, Höchst, Berlin und Nymphenburg sind schon für fünfstellige Beträge zu haben. Allein die Tierfiguren aus Meissen erzielen Preise von über 1 Mio. Euro. Meissener Commedia dell' arte-Figuren kommen auf bis zu 650 000 Euro.

Der Porzellanmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren stark verengt. Es gibt kaum noch Sammler vom alten Schlag, die sich weiträumig auf eine Manufakturgeschichte einlassen oder mit Formstücken und Geschirrteilen ein Konzentrat des Besten zusammentragen. Auch Sammler, die mit schönen Stücken aus vielen europäischen Manufakturen der Form- und Dekorvielfalt huldigen, sind verschwunden. Altgediente Händler sind abgetreten oder beraten nur noch auf privater Basis. Dem Händlernachwuchs - so es überhaupt einen gibt - fehlt es an Kapital und Mut, sich ausschließlich auf ein so fragiles Sachgebiet zu konzentrieren.

Auch in den internationalen Auktionen spielt das Porzellan längst nicht mehr die geschmacksprägende Rolle, die es noch in den siebziger bis neunziger Jahren hatte, als u. a. die Sammlungen Rothschild, Lehmann, Meinertzhagen, Nyffeler, Kramarsky und Nelte versteigert wurden. In den früher breit bestückten Londoner Auktionen wird das Porzellan jetzt stärker mit Möbeln und anderem Kunstgewerbe gemischt.

Trotz einiger Rekordpreise für exzeptionelle Objekte anderer Manufakturen hat sich der Markt seit Beginn dieses Jahrzehnts magisch auf das internationale Meissen-Angebot fixiert. Das gilt auch für das halbe Dutzend hochkarätiger deutscher Porzellansammler, die in den Auktionen meist durch Händler wie Röbbig oder Gräfin Wallwitz vertreten sind.

Dass es auch im Meissen-Sektor Probleme gibt, hat dem Markt bisher kaum geschadet. Fälschungen (Paradebeispiel: nachgeformte Stücke des Schwanenservice) oder Auktionsmanipulationen mit ruinösen, aber bravourös restaurierten Stücken sind eine wohl unvermeidliche Begleiterscheinung des Meissen-Booms. Der hatte seinen Höhepunkt im Juni 2005, als bei Christie's in Paris ein um 1730 von dem genialen Modellmeister J.J. Kaendler modelliertes Reiherpaar, das 1730 im Auftrag Augusts des Starken in Lebensgröße entstand, für 5,6 Mio. Euro zugeschlagen wurde.

Damit hatte sich der drei Jahre vorher etablierte Meissen-Rekord von umgerechnet 1,3 Mio. Euro, den das Getty Museum bei Christie's für einen Kaendler-Truthahn bewilligte, mit einem Schlag verfünffacht. Ein europäischer Privatsammler investierte dann im Dezember 2006 im selben Auktionshaus 2,8 Mio. Pfund (4,2 Mio. Euro) für ein dem Wettiner Fürstenhaus restituiertes Löwenpaar, das der Kaendler-Vorgänger J.G. Kirchner wie die obigen "Großen Tiere" für das Japanische Palais in Dresden modelliert hatte. Prachtstücke aus Wettiner Besitz wurden in den letzten Jahren auch von der Münchener Händlerin Gertrud Rudigier vermarktet.

Solche Zuschläge sind natürlich nicht alltäglich. Im normalen Bereich liegen die 198 400 Pfund, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im September 2006 bei Sotheby's für ein 155-teiliges Speiseservice mit grünem Schuppendekor und "preußisch musikalischem Dessin" bezahlte. Im November desselben Jahres kam dann ein frühes zwölfteiliges Teeservice mit "indianischen Blumen" auf grünem Fond im selben Haus auf 78 000 Pfund. Als im November 2006 bei Sotheby's in New York die Bestände der von Hanns Weinberg gegründeten Porzellanhandlung Antique Company versteigert wurden, ging die skulptural aufwendige Zitronenschale aus dem Schwanenservice für den Grafen Brühl für 168 000 Dollar nach Deutschland.

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