Deutschland wird trotz allem Weltmeister
Ein wunderbares Wunder

Sönke Wortmanns Film beweist nicht nur die Übernatürlichkeit des Fußballs.

Der Bundeskanzler darf natürlich auch nicht fehlen: Gerhard Schröder, der als Mittelstürmer mit dem Kampfnamen „Acker“ in den sechziger Jahren beim TUS Talle wirkte, will sich am kommenden Mittwoch in Essen die Ehre geben. Die staatstragenden Weihen erhält Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“, der an diesem Tag seine Deutschland-Premiere feiert.

Da stellt sich die Frage: Was macht das Wunder von Bern eigentlich so wunderbar? Die deutsche Fußballnationalmannschaft gewinnt das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz mit 3:2 gegen Ungarn. Na und? Ein Wunder, sagt das Lexikon, ist ein Vorgang, der der Erfahrung oder den Naturgesetzen widerspricht. Es offenbart die Existenz göttlicher Mächte.

Ein Naturgesetz ist bis zu jenem regnerischen Sonntagnachmittag, dass eine ungarische Fußballnationalmannschaft nicht verlieren kann. Mehr als vier Jahre sind die Ungarn nicht mehr als Verlierer vom Platz gegangen, viele der Spieler wissen gar nicht, wie es ist, mit dem Nationalteam zu verlieren.

Das Ergebnis gegen Ungarn aus dem Vorrundenspiel ist ein weiterer Beweis für die Gültigkeit des Gesetzes: 3:8 verlieren die Deutschen, das ist nicht nur eine Niederlage, das ist selbst in torreicheren Zeiten als heute eine Demütigung, von der man sich nicht so schnell erholt.

Deutschland wird trotz allem Weltmeister. Weil der Fußball-Gott Sepp Herberger einen scharfen Verstand mitgegeben hat. Weil er dem Sportschuhfabrikanten Adolf Dassler einen genialen Einfall gönnt. Weil er es nach einem sonnigen Morgen plötzlich regnen lässt. Und weil er den elfjährigen Matthias Lubanski aus Essen-Katernberg ins Wankdorfstadion bugsiert. Matthias Lubanski, der wahre Held des Wunders von Bern! Nie gehört?

Seite 1:

Ein wunderbares Wunder

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%