„Dichter von klassischer Größe
Dramatiker Peter Hacks gestorben

Der Dramatiker Peter Hacks, einer der meist gespielten deutschsprachigen Theaterautoren der Nachkriegszeit, ist tot. Er starb am Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren in Berlin. Hacks gehörte zusammen mit Bertolt Brecht und Heiner Müller zu den bekanntesten ostdeutschen Bühnenautoren.

HB/dpa BERLIN. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ und „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“.

Als „großen Sprachspieler“ würdigte der Schriftsteller Peter Härtling den Dramatiker. Hacks sei „unglaublich eigensinnig und stets streng mit sich selbst“ gewesen, sagte Härtling der dpa in Prag. Der Theater-Regisseur Manfred Wekwerth nannte Hacks einen der wichtigsten zeitgenössischen Dramatiker in Deutschland. Mit zunehmendem Alter habe sich Hacks in eine „merkwürdige politische Ecke“ zurückgezogen. Die „späte Liebe“ zu Josef Stalin sei nicht philosophisch begründet gewesen, sondern Ausdruck von „Bockigkeit“, sagte der ehemalige Chefregisseur des Berliner Ensembles.

Der frühere Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, Hermann Kant, bezeichnete Hacks als „Dichter von klassischer Größe“. „Der Umstand, dass auch er selber dieser Meinung war, ändert nichts an deren Richtigkeit“, sagte Kant.

Hacks wurde am 21. März 1928 in Breslau geboren und studierte in München Soziologie, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Mitte der 50er Jahre siedelte er aus politischen Gründen von der Bundesrepublik nach Ost-Berlin über. Eine Wahl zwischen „saurem Apfel“ (DDR) und „faulem Apfel“ (Bundesrepublik) nannte er diesen Entschluss einmal.

Komödie verhalf zum Durchbruch

Noch im Westen hatte Hacks den ersten Preis im Wettbewerb der Stadt München für junge Autoren für sein Schauspiel „Eröffnung des indischen Zeitalters“ (1954) erhalten. Der Durchbruch im Osten gelang ihm mit der Komödie „Die Schlacht bei Lobositz“ (1956). In der Bundesrepublik kam das pazifistische Stück unter anderem in Regie von Claus Peymann erst zehn Jahre später auf die Bühne.

„Der Frieden“, „Die schöne Helena“, „Adam und Eva“ und „Amphitryon“ waren Bühnenereignisse. Ungnädig reagierte das SED- Regime auf Hacks Einmischung in die sozialistische Gegenwart. „Die Sorgen und die Macht“ lösten einen Skandal aus. Wegen „Verunglimpfung der führenden Rolle der Arbeiterklasse“ wurde die Aufführung am Deutschen Theater 1962 verboten, Dramaturg und Hausautor Hacks mit Rausschmiss abgestraft. Trotzdem stimmte Hacks dem SED-Regime bei der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann zu.

„Moritz Tassow“ (1965), eine Parabel über Utopie und Pragmatismus im Kommunismus, wurde als „rüpelhafte Obszönität“ attackiert und abgesetzt. Nach Versuchen mit „Produktionsstücken“ aus Alltag und Arbeitswelt siedelte Hacks seine dialektisch-witzigen Betrachtungen nur noch in klassischer oder biblischer Ferne an.

Nach der Wende wurde Hacks seltener gespielt. Der Autor gab sich dazu gelassen. „Es ist schwer möglich, so viel geschrieben zu haben, ohne dass immer jemand aus Versehen etwas spielt“, sagte er im März der dpa. Zum 75. Geburtstag erfüllte sich für Hacks ein lang gehegter Wunsch: Im Berliner Eulenspiegel Verlag erschien sein Lebenswerk in 15 Bänden.

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