Kultur + Kunstmarkt
Dickes Buch, leichte Lektüre

Ein Buch, das fast ein Kilo wiegt, müsste eigentlich schon wegen seines Gewichts als Urlaubslektüre ausscheiden. Aber Sven Regeners zweiter Roman "Neue Vahr Süd" ist jedes Gramm wert, das er wiegt. Die 582 Seiten bieten unterhaltsame Lektüre mit einem trockenen, hintergründigen Humor.

Regener skizziert mit präziser Leichtigkeit die Trägheit der bundesrepublikanischen Achtziger-Jahre-Jugend. Sein Held fahndet nach dem Sinn des Lebens und dem Weg ins Erwachsenwerden, zwischen der emotionalen Sprachlosigkeit der Eltern, dem Nihilismus der Freunde und der Disziplin der Bundeswehr. "Neue Vahr Süd" heißt nach einem Bremer Neubauviertel und ist ein Fortsetzungsroman - in die Vergangenheit. Wir treffen Frank Lehmann wieder, den Protagonisten von Regeners Debüt "Herr Lehmann", dem im Berlin-Kreuzberg der Vor-dem-Mauerfall-Zeit nichts heilig war außer seiner Ambitionslosigkeit. Nun führt uns der Autor zu den Wurzeln Lehmanns, der schon als Jugendlicher nichts anderes will, als in Ruhe nachzudenken. Wir folgen dem Helden von der Bremer Plattensiedlung über die im Linkssein ermattete Wohngemeinschaft im Szeneviertel bis in die Kaserne und schließlich auf die Autobahn - auf dem Weg ins Leben. Ein Buch nicht nur für ehemalige Wehrdienstleistende und (ewige) Bremer. Es ist ein Roman für alle, die jung waren oder es noch immer sind. Klaus Ehringfeld

Sven Regener: Neue Vahr Süd. Eichborn Verlag, Berlin 2004, 582 Seiten, 24,90 Euro

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