Die 80er-Jahre
Ein cooles Jahrzehnt wird besichtigt

Es war ein von Hednismus und Nato-Doppelbeschluss geprägtes Jahrzehnt. Die Collness kam auf, der Alltag rückte in den Blick, die Becher-Schule ging an den Start, Künstler wagten sich wieder an Erzählungen. Und begannen ordentlich zu verkaufen. Die Ausstellung "Auswertung der Flugdaten" lässt in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen natinale und internationale Künstler Revue passieren.
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DÜSSELDORF. Der erste Eindruck in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen täuscht nicht: Schöne Arbeiten - großzügig präsentiert. Das Untergeschoss von K21 hat man bei Sonderausstellungen oft als überfrachtet erlebt. Julian Heynen aber kuratiert die "Auswertung der Flugdaten. Die Kunst der 80er. Eine Düsseldorfer Perspektive" mit lockerer Hand. Es ist ja auch sein Leib- und Magenthema. Heynens bilanzierender Blick auf die Kunst der 80er-Jahre wirkt diesmal lebendig und gar nicht museal. Er ist neben der großen Beuys-Retrospektive der zweite Beitrag der Kunstsammlung zur Quadriennale. Alle vier Jahre zeigen weit mehr als ein Dutzend Museen und Privatsammlungen in und um Düsseldorf, wie kraftvoll die Kunst hier ist.

Am Anfang steht ein Schrei

"S-C-H-I-F-F-B-R-U-C-H!" Wer schreit da so verzweifelt und warum? An der Decke eine vertrackte Holzkonstruktion mit Lautsprechern. Unten auf dem Boden die "Frucht der Arbeit" (1983) zerschellt, was bleibt, sind ein schwarzer Trichter und zerbrochene Fragmente. Sieht Harald Klingelhöllers Abgesang auf die Studentenunruhen so aus? In der renommierten Galerie Fischer, Düsseldorf, kosten aktuelle Skulpturen von Harald Klingelhöller zwischen 25.000 und 45000 Euro. "Bridges and Echoes" von 2009 liegt bei 25.000 Euro. An den Wänden hängen Großformate des Fotografen Andreas Gursky, Erinnerungslandschaften mit winzigen Menschen wie den Anglern in "Mühlheim an der Ruhr" (1989).

Party und Katastrophe

Wie aber waren die 80er-Jahre? Jeder Kunstfreund scheint sie anders erlebt zu haben. Auch für Heynen und seine Cokuratorin Valeria Liebermann, sind die 80er-Jahre schwer zu definieren, "weil es das letzte Jahrzehnt der alten Weltordnung, des Kalten Krieges und der Westkunst war - danach wurden die Karten neu gemischt." Diese Verbindung von Hedonismus auf der einen Seite und Weltuntergangsstimmung - NATO-Doppelbeschluss, Anti-Atomkraft-Bewegung, ökologische Krise - auf der anderen Seite, diese seltsame Mischung aus Party und Katastrophe empfindet er heute noch als bezeichnend für die 80er-Jahre.

Die skulpturalen Arbeiten von Thomas Schütte, des "Modellbauers", er selbst hat sich lieber als "Bastler" bezeichnet, gehören mit ihrem Erfindungsreichtum zum Besten des Parcours. Sein "Blauer Bunker" (1984) wirkt ebenso anziehend wie bedrohlich in buchstäblich "strahlendem" Blau, umgeben von drei Wallpaper-Bildern in Orange-Rot. Man weiß allerdings nicht, was im Bunker passiert. In den 80er-Jahren baute man Schutzbunker in Deutschland. Zu Schüttes "Studio in den Bergen II" (1984) führt dann ein "Sehnsuchtsweg". Über die ansteigenden Hügel drapiert der Künstler kühn ein grünes Tuch, darauf schlängelt sich der unordentliche Weg in Form eines leicht verrutschten gelben Bandes.

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