Die Europameisterschaft in Portugal trägt die Fado-Musik in Millionen Wohnzimmer
Wenn Fußballer den Blues kriegen

Wehmütige Töne passen zum Land des EM-Gastgebers, denn dort ist der Fado zu Hause, jene Sehnsuchtsmusik, die gerne als portugiesischer Blues bezeichnet wird.

Wer als deutscher Fußballfreund an die Europameisterschaft in Portugal denkt, kann nach der verpatzten Generalprobe von Völlers Verlierern gegen Ungarn schon den Blues bekommen. Wehmütige Töne passen zum Land des EM-Gastgebers, denn dort ist der Fado zu Hause, jene Sehnsuchtsmusik, die gerne als portugiesischer Blues bezeichnet wird. Die Töne des Fados werden die EM-Zuschauer in den kommenden drei Wochen musikalisch begleiten.

Im 19. Jahrhundert entstanden, inspiriert der Fado bis heute Generationen von Künstlern. Keine Band hat dieses Erbe so souverän weiterentwickelt wie Madredeus. Deren Stil entzieht sich auch auf dem aktuellen Album „Un Amor Infinito“ jeglicher Kategorisierung.

„Madredeus ist kein Fado. Das sind zwei Paar Stiefel“, sagt Teresa Salgueiro freundlich, aber bestimmt. „Madredeus ist von vielen Stilen beeinflusst“, erklärt die Sängerin, deren glockenhelle Stimme den Sound des Ensembles prägt. „Aber natürlich ging es nicht spurlos an uns vorbei, dass wir aus der Stadt kommen, die so wichtig war für den Fado: aus Lissabon.“

In den Spelunken der Hafenstadt wurde die Musik 1840 zum ersten Mal gespielt. Der Fado – zu Deutsch: Schicksal – ist Leiden in seiner schönsten Form. Das Auf und Ab der Liebe treibt diesen lustvoll inszenierten Weltschmerz, traditionell begleitet von Mandoline und Gitarre. Als Königin des Fado gilt die 1920 geborene Amália Rodrigues. „Sie hatte eine unglaubliche Stimme. Sie war ihrer Zeit immer voraus. Die Leute kritisierten, was sie mache, sei kein Fado. Trotzdem haben sie es später alle kopiert“, erzählt Teresa Salgueiro.

Als die „Stimme Portugals“ 1999 für immer verstummte, wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Kurz vor ihrem Tod kürte Amália Rodrigues noch ihre Erbin, als sie die Sängerin Mísia zur legitimen Nachfolgerin ernannte. Mísia machte Violinen, Akkordeon und Klavier im Fado salonfähig. Dazu singt sie Texte von Literaten wie etwa dem Nobelpreisträger José Saramago.

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