Die Grandseigneurs der Popmusik füllen die Hallen und verkaufen CDs
Alte Hasen

Bühne frei für die großen Namen des Pop: Während die Plattenfirmen den Nachwuchs aus den Casting- Shows vor die Tür setzen und ihren Künstlerstamm auch sonst rigoros ausdünnen, sind viele alte Hasen so gut im Geschäft wie nie.

Superstars wie Bryan Adams, Lionel Richie, R.E.M oder Mark Knopfler, Ausnahmekönner wie Tom Waits und Al Jarreau oder der in Ehren ergraute Geheimtipp Gordon Haskell trotzen allen Trends, verkaufen CDs, füllen die Hallen – zur Freude eines Publikums, bei dem die Musik und nicht das Image im Mittelpunkt steht.

Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn die Jahrzehnte nicht spurlos an den Protagonisten vorübergegangen sind wie bei Al Jarreau. Ja, bestätigt der Gesangsakrobat bei einem Interview in einem Hamburger Hotel, das kleine Ding hinter seinem rechten Ohr ist ein Hörgerät. „Und für das andere Ohr habe ich auch eins“, sagte der Mann, dessen Karriere in den Sechzigern begann, und deutet grinsend hinter sich: Wie es sich für einen Schwerhörigen gehört, liegt der kleine Apparat nutzlos auf einem Tisch am anderen Ende der Suite.

„Wenn man lang genug lebt, funktioniert manches nicht mehr so richtig“, resümiert Jarreau. „Gott sei Dank gilt das nicht für meine Stimme. Auch wenn sie nun tiefer klingt. Zum Glück. Denn mit dem aktuellen Album ‚Accentuate the Positive' habe ich eine der besten Arbeiten meines Lebens abgeliefert. Nicht schlecht, wenn man das mit 64 sagen kann, oder?“

Die Reaktionen seiner Fans geben ihm Recht. Nach Jahren, in denen Jarreau die Grenzen zwischen Jazz, Pop und Soul vermaß, kehrte er mit einem Album voll klassischer Jazz-Balladen zu seinen Ursprüngen zurück. Der Zuspruch ist so groß, dass Jarreau den Sommerkonzerten nun eine ausgedehnte Deutschland-Tour folgen lässt. Es scheint, dass seine melodischen Songs und die charakteristische Stimme einen Nerv treffen. „Vielleicht gibt es da draußen Leute, die merken: ‚Ich habe gar nicht gewusst, dass es solche Musik noch gibt. Los, Al, gib uns mehr davon.’“

Wer die Hörer sind, die – egal ob Jazz, Rock oder Pop – nach solchen Klängen verlangen, ist für Manfred Gillig vom Branchenblatt „Musikwoche“ eindeutig: „Das ist das Publikum, das in den letzten 15 Jahren aus dem Visier der Plattenfirmen geraten ist. Das ist die Generation Rock, die mit dieser Musik älter wurde und sie nach wie vor hört. Diese Klientel ist auch kaufkräftiger, als die jungen Kunden es sind.“

Das „Jahrbuch 2004“ der Phonographischen Wirtschaft belegt Gilligs These. 60 Prozent der 30- bis 39-jährigen Deutschen kaufen demnach CDs. Selbst die 40- bis 49-Jährigen gehen öfters in den Plattenladen als die 10- bis 19-Jährigen. Leider findet die Generation Rock dort aber nur selten junge Künstler, mit deren Musik sie etwas anfangen kann. Also greifen die Popfans zu den Bands, die sie ihr Leben lang begleiteten.

Seite 1:

Alte Hasen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%