Die Iberische Halbinsel empfiehlt sich für den Modekauf – vor allem den Männern
Der Macho mag’s klassisch

Spanische Mode erobert die Märkte, verdrängt hier und dort fast schon die Italiener. Reisende kleiden sich während ihres spätsommerlichen Resturlaubs in Marbella oder Barcelona gern vor Ort neu ein. Auch wenn der Spanier an sich nicht gerade eine Stil-Ikone ist, einen Modemuffel kann man ihn nicht nennen.

Der Spanier liebt eben die gepflegte Eleganz, besonders dort, wo?s formell zugeht. Spaniens Söhne sehen das inzwischen aber lockerer. Ein köstliches Bild, wenn der klassische spanische Vater mit seinen zurückgekämmten Haaren und der Kaschmirstrickjacke mit dem lässigen Sohn über die Straße spaziert, dessen Gesicht hinter dem schwarzen Haarvorhang kaum zu sehen ist, dafür aber seine weiße Unterhose. Junge Avantgardisten tragen in diesem Jahr ihr Haar lang, gern mit zur Seite abstehendem Seitenscheitel, so dass das halbe Gesicht verdeckt ist. Dazu weite Jeans, möglichst so tief auf den Hüften sitzend, dass die klassische weiße Rippe der Unterwäsche sichtbar wird.

Wogegen die Väter ihre Anzüge und vor allem ihre Hemden immer noch nach Maß schneidern lassen, mit Initialen auf der Brusttasche. Damit brüsten sich nicht nur wichtige Persönlichkeiten. Die bevorzugten Farbtöne sind gedeckt bis düster. Anders als in Italien sieht man im Straßenbild selbst im Sommer weniger helle, leichte Leinenanzüge. Taillierte oder gestreifte Einreiher demonstrieren schon einen gewissen Modemut.

"Dem Spanier sind Qualität und Marken sehr wichtig", erklärt die Chefin der Modehochschule Isem in Madrid, Covadonga O?Shea. Ihre Landesmänner seien halt Konformisten. Deshalb sieht man auf der Straße wenig wirklich schludrig gekleidete Mannsbilder, aber leider auch wenig Abwechslung.

Doch langsam kommt Farbe ins Spiel. Als in den Schaufenstern die ersten Hemden mit groß gemusterten Karos zu sehen waren, trug sie in kürzester Zeit jeder, und auch die rosa glänzende, handbreite Krawatte war über Nacht plötzlich Standard. Als Alternative zum Hemd hat sich das Polo-Shirt durchgesetzt, eigentlich auch schon ein Klassiker.

Der Gründer der Trendschuhmarke Camper, Lorenzo Fluxà, glaubt, dass gerade der Hang zur Klassik die kreativen Köpfe in Spanien stimuliert habe: "Wir brauchten in der Mode einfach Luft, einen Befreiungsschlag. Wir wollten eine Gegenbewegung." Und die ist - wen wundert?s - vor allem im Ausland erfolgreich. Denn vorne völlig abgerundete bunte Schuhe mit dicker Gummisohle, wie sie Camper schustert, gelten für den klassischen spanischen Mann als untragbar. "Solche Modelle sind halt wenig männlich", seufzt Fluxà.

Maskulin muss die Mode für einen Macho schon sein, selbst in der Freizeit. Inzwischen trägt der Spanier zwar auch schon mal Bermudas, aber dazu kaum Flipflops, wie Camper und andere Schuhmarken sie im Programm haben. Vielleicht noch klassische Sandalen, aber lieber doch normale Lederhalbschuhe.

Erste Einkaufsadresse ist für die in- und ausländische Business-Kundschaft nach wie vor das konservative Luxus-Kaufhaus El Corte Inglés, zu Deutsch der englische Schnitt. Hier sind alle wichtigen Marken von Lacoste bis Ralph Lauren vertreten. Bei den Jüngeren ist der spanische Designer Adolfo Dominguez populär, der dem Standard einen gewissen Pep verpasst.

International erfolgreiche Massenmodeketten wie Bershka, Mango, Stradivarius, Zara, Springfield und Massimo Dutti sind gerade dabei, die männlichen Bekleidungstraditionen im eigenen Land zu verändern, zumindest die der 18- bis 30-Jährigen. In dieser Altersgruppe sieht man auch schon mal andere, flottere Haarschnitte. Und was beim Patron die Pomade war, ist beim Filius die Tube mit dem Strong Gel.

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