Die Klassische Moderne bei Kornfeld in Bern
Händlergefechte um Klees Wasserpyramiden

Von den 150 Losen des Angebotes „Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts Teil 1“, dem Filetstück der traditionellen Auktionen im Hause Kornfeld am 17.6. in Bern, konnten vor einer versammelten internationalen Händler- und Sammlerelite 121 oder rund 80 Prozent verkauft werden.

BERN. Als erster Höhepunkt ging Max Beckmanns 1932 geschaffene und 1945 überarbeitete Landschaft „Ostende im Sturm – Meer bei Ostende“ für kaum überraschende 1,6 Mill. SFr/1 Mill. Euro brutto an einen Auftragsbieter. Ebenfalls bereits im Vorfeld erledigt schien der Verkauf des auf dem Katalogtitel abgebildeten Hauptloses, Augusto Giacomettis tachistisches Kinderbild „Friede“ von 1915, das ohne große Gegenwehr des Saales für 1,5 Mill. Sfr/974000 Euro den Besitzer wechselte.

Für etwas mehr Stimmung in dem gewohnt vollgepackten, wegen Kornfelds Telefonbietverbot mit besonders vielen Handys bestückten und trotz befriedigender Klimatisierung sommerlich trägen Auktionssaal hatte dazwischen die Versteigerung mehrerer Chagall-Arbeiten gesorgt. Auffällig waren dabei weniger die erzielten Preise, obschon die 816500 Sfr/530200 Euro für das um 1983 gemalte Spätwerk „L'Offrande au Peintre“ immerhin der doppelten Schätzung entsprechen, sondern vielmehr der Umstand, dass fast alle diese Arbeiten von einem einzigen Saalbieter in der zweitvordersten Reihe ersteigert wurden. Es handelte sich dabei um einen Vertreter der Londoner Helly Nahmad Gallery, die auch späterhin noch das eine oder andere prominente Werk erwerben sollte.

Ebenfalls deutlich über ihre Taxen kletterten die etwas dunkel patinierte, um 1950 entworfene und 1959 gegossene Alberto Giacometti-Bronze „Tete de Diego sur Socle“ sowie Max Ernsts „Variation über das Thema Windsbraut“ von 1928, die für 1,1 Mill. Sfr/714300 Euro und 1 Mill. Sfr/657100 Euro abgegeben wurden. Daneben gab es aber auch manch günstige Gelegenheit, die sich meistens ein Händler sicherte. So konnte Helmut H. Rumbler aus Frankfurt beispielsweise schon knapp unter der Schätzung ein besonders schönes Exemplar der 1799 erschienenen ersten Ausgabe von Goyas 80-teiliger Radierungsmappe „Los Caprichos“ für 264500 Sfr/172000 Euro kaufen, und sein Berliner Kollege Wolfgang Wittrock erhielt Emil Noldes exotisch-schöne „Mutter mit Kind“ deutlich unter der Taxe für 483000 Sfr/314000 Euro.

Insgesamt konnte man hier – ähnlich wie übrigens schon auf der Basler Modernemesse Art Basel – eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den Meistern des Expressionismus beobachten. So gehörten beispielsweise sowohl Emil Noldes allerdingswenig attraktives Bild „Mädchen im Garten“ von 1915 als auch Otto Müllers vielleicht etwas zu marktbekanntes Brücke-Werk „Drei Badende im Wasser“ aus der Zeit um 1913 zu dem prominentensten Rückgängen dieser Auktion.

Deren spannendstes Bietgefecht entbrannte dafür um Paul Klees unterseeisch anmutendes Aquarell „Wasserpyramiden“ von 1924, das schließlich gegen Wittrock und Rumbler sowie gegen Krugier aus Genf für 1,7 Mill. Sfr/1,1 Mill. Euro als teuerstes Los dieser Versteigerung an ein Schweizer Privatbieterpaar ging. Viel zur aufgeräumten Zufriedenheit des vitalen Hausherrn Eberhard W. Kornfeld und seines von Christine Stauffer umsichtig geleiteten und inzwischen noch von Schwiegersohn und Kommanditär Wolf von Weiler aktiv ergänzten Teams hat zweifellos auch die erfolgreiche Versteigerung der Käthe-Kollwitz-Sammlung Lotar Neumann beigetragen. Deren 192 Lose konnten offenbar vollständig ausverkauft werden, angeführt von der auf drei Tonsteinen in einer komplizierten Mischtechnik ausgeführten Kreide- und Pinsellithographie „Selbstportrait en face“ aus der Zeit um 1904, das für 184000 SFr/119500 Euro abgegeben wurde. Während hier bedeutendere Werke wie etwa die unter Vervierfachung ihrer Taxe für 14375 SFr / 9334 Euro verkaufte Kaltnadel- und Strichätzungsarbeit „Frau mit totem Kind“ von 1903 hohe Preise erreichten, ist es im Hinblick auf den Chancenreichtum und die Gesundheit des Grafikmarktes immerhin auch ermutigend, dass manch interessante Arbeit andererseits auch schon zu ausgesprochen bescheidenen Einsteigerpreisen unter 3000 Euro zu haben war.

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