"Die Kultur der Freiheit" von Udo Di Fabio
Freiheit wohnt im Biedermeier

Soso, denkt sich der gemeine Liberale: Wer die Freiheit liebt, soll also sonntags in die Kirche gehen. Soll sich die Haare ordentlich frisieren, das Vaterland verehren und - vor allem und besonders wichtig - heiraten und viele, viele Kinder zur Welt bringen.

Wer die Freiheit liebt, sagt Udo Di Fabio in seinem neuen Buch "Die Kultur der Freiheit", der kann heutzutage gar nicht konservativ genug sein. Das klingt paradox, und ist auch so gemeint - und dennoch gibt es gute Gründe, Di Fabio und seine Meinungen ernst zu nehmen. Der Bonner Staatsrechtsprofessor sitzt im Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts, und er gilt in Karlsruhe als einer der einflussreichsten, meinungsstärksten und gestaltungsfreudigsten Richter, die das Gericht seit langem hatte.

Sein Einfluss wird oft mit dem seines Vorgängers Paul Kirchhof verglichen, und mit dem radikalen Steuerreformer und Familienschützer aus Heidelberg teilt er auch inhaltlich die meisten seiner Ansichten. Kirchhof könnte nach der Wahl Bundesfinanzminister werden. Und Di Fabio selbst ist in der Union, der er sein Richteramt verdankt, ebenfalls alles andere als einflusslos. Schon fordern die Ersten, den scharfsinnigen Juristen zum Chefideologen der angeblich "unterphilosophierten" Christdemokratie der Ära Merkel zu bestellen.

Nichts anderes treibt den Richter um, so behauptet er zumindest, als die Sorge um die Freiheit des Einzelnen. Die sei in Gefahr, weil sie sich gegen ihre eigenen Daseinsvoraussetzungen richte: gegen die Gesellschaft und ihre Traditionen und Institutionen. Die Freiheit ist etwas Soziales - das ist ein Argument von großer Kraft, und Di Fabio wendet ein eindrucksvolles Maß an Scharfsinn und Ernsthaftigkeit auf, um es zu schleifen und zu schärfen.

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