Die Kunst zu warten
Starker Kunstmarkt: „Rekord bleibt Rekord“

Gleich zu Beginn der gut zweistündigen Abendauktion für zeitgenössische Kunst bei Christie’s hagelte es Rekorde. Eines der großen Fotos des deutschen Fotokünstlers Thomas Struth ließ sich für 1,4 Mill. Dollar (inklusive Aufgeld) auf ein neues Preisniveau katapultieren. Auch für ein Werk von Gerhard Richter wurde ein Rekordpreis gezahlt.

Ein gemalter Racheengel in weißer Schwesterntracht, die „Nurse“ von Richard Prince, schoss gleich auf 6 Mill. Dollar und verdoppelte so die bisherige Bestmarke von Prince. Auch Gerhard Richters „Düsenjäger“ setzte einen neuen Rekord. Doch mit 11,2 Mill. Dollar Bruttopreis erreichte das „Photopainting“ nur die untere Taxe. Christie’s Topauktionator Christopher Burge freute sich trotzdem. „Rekord bleibt Rekord“. Und da erlaubt er seiner Stimme schon mal, Nüchternheit mit Leidenschaft zu tauschen.

Wenn Burge versteigert, ist Unterhaltung garantiert. Einmal akzeptiert er das verspätete Gebot eines verwirrten Bieters – „Hauptsache sie bieten nicht gegen sich selbst“. Ein anderes Mal glaubt das Publikum, der Hammer fiele für Warhols „Muhammad Ali“ bei 7,6 Mill. Nach ein paar Sekunden Stille, in der nur die Klimaanlage summt, entdeckt Burge ein weiteres Gebot im vollbesetzten Saal und zieht es mit großer Verve hoch bis auf 8,2 Mill.. Das sind mit Käuferaufgeld 9,2 Mill. Dollar. Der Saal applaudierte spontan.

Auch bei Sotheby’s bringt so manche Pause den erhofften Schwung für ein abermaliges Drehen des Preiskarussells. Bei Francis Bacons faszinierendem Gemälde „Bullfight“ vermittelt Tobias Meyer, Sotheby’s Worldwide Head of Contemporary Art, zwischen vier Telefongeboten. Er startet bei 25 Mill. Dollar, bei 36,6 stoppt das flotte Steigern. Der Kunde am anderen Ende der Leitung braucht Zeit, sein Limit zu bedenken – das signalisiert Meyers Kollegin Lisa am langen Telefontisch mit einer Geste. Langsam dreht der schlanke Mann auf der erhöhten Auktionatorenkanzel die Preisschraube weiter nach oben. Bei 40 Mill. scheint alles ausgereizt. Da steigt überraschend ein neuer Bieter ein, vorn im Saal. Mit 41 Mill. Dollar Hammerpreis, mit Aufgeld 46 Mill. Dollar, ist das aufregend sinnbildliche Kampfgemälde von Francis Bacon das teuerste Kunstwerk dieses Saisonauftakts in New York.

Mit insgesamt 693 Mill. Dollar Umsatz aus drei Contemporary-Abendauktionen steht der Kunstmarkt immer noch selbstbewusst und stark da. Wie so oft hat er sich als nicht direkt abhängig gezeigt von Börsen und Immobilien-Turbulenzen. Diese Woche war nichts mehr zu spüren von dem Ausrutscher bei Sotheby’s Impressionisten-Auktion, wo die Bieter mäßig gute Ware und zu hohe Preiserwartungen durch Ablehnung abgestraft hatten.

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