Die März-Auktionen der Zürcher Galerie Koller
Internationaler Handel füllt seine Lager

Bis auf Spitzwegs sauber dokumentiertes, aber mit brutto 350 000 bis 550 000 sfr (225 900/355 000 Euro) wohl etwas hoch angesetztes Mittelformat „Der eingeschlafene Einsiedler“ aus der Zeit um 1845 fanden in den vom 14. bis 19. März abgehaltenen Frühjahrsauktionen der Zürcher Galerie Koller die meisten Spitzenlose einen Käufer.

ZÜRICH. Trotz eher mäßiger Verkaufsquoten von 56 Prozent bei den Bildern und 64 Prozent bei den Möbeln führte dies zu einem etwas unter dem letztjährigen Total liegenden Gesamtergebnis von 11 Mill. sfr (7,1 Mill. Euro). Teuerstes Los wurde Ivan Konstantinovisch Ajvasovskis frühimpressionistisches Seestück „Schiffe im Sturm“ von 1882, das per Telefon von einem in Deutschland lebenden russischen Sammler zum Doppelten der Schätzung für 404 000 sfr (260 000 Euro) ersteigert wurde.

Ebenfalls fernmündlich bot ein spanischer Sammler das Juseppe de Ribera zugeschriebene Gemälde „Philosoph mit Spiegel“ bis weit über seine Taxe auf 210 100 sfr (136 000 Euro), während sich ein anwesender Sammler Francesco Guardis um 1770 geschaffenes Spätwerk „Capriccio mit Lagune und rustikalen Häusern“ für schätzungsgemäße 255 800 sfr (165 000 Euro) sicherte.

Die meisten übrigen Höchstpreise wurden dagegen vom internationalen Handel geboten, der sich hier einmal mehr für künftige Messen eindeckte. Der Londoner Altmeisterspezialist Richerd Green beispielsweise musste für Richard Ansdells monumentales Pferdegemälde „Mr. Nelson’s Hunters at Hindhill, Pontrefract“ mit 215 900 sfr (140 000 Euro) fast das Vierfache der oberen Taxe auslegen, während eine internationale niederländisch-englische Händlergruppe zwei kleine Blumen-, Muschel- und Insektenstillleben von Balthasar van der Ast für 369 000 sfr (238 000 Euro) erhielt.

Mit 244 400 sfr (158 000 Euro) unerwartet hoch kletterte per internationales Händlergebot ferner Abel Grimmers interessantes „Interieur eines städtischen Palastes mit Merkur und Minerva beim Betrachten einer Allegorie der Caritas“ aus der Zeit um 1600.

Überraschungen gab es auch in den Möbel- und Kunstgewerbeversteigerungen. Der Preis von 30 940 sfr (19 900 Euro) für einen auf 1 400 bis 2 400 sfr (900 bis 1 500 Euro) taxierten silbervergoldeten und einst emailbemalten venezianischen Altarkelch des 16. Jh. ist wohl auf eine Fehlschätzung des Auktionshauses zurückzuführen. Dagegen können jene 17 255 sfr (11 000 Euro), welche eine auf 3 000 bis 5 000 sfr (1 900 bis 3 200 Euro) angesetzte deutsche Renaissancekommode erzielte, mit etwas Optimismus auch als Signal für eine Wiederaufwertung derartiger Meisterwerke interpretiert werden.

Als Zeichen einer gewissen Marktstabilisierung im gehobenen Mittelfeld der klassischen französischen Ebenisterie (Kunsttischlerei) kann man dagegen den guten Zuschlagspreis von 215 900 sfr (140 000 Euro) für eine Pariser Louis-XV-Kommode „à Fleurs“ von François Mondon aus der Mitte des 18. Jahrhunderts werten.

Überdurchschnittliches Interesse erregte im weiteren ein kurioser Armlehnstuhl von Carlo Bugatti im „gusto esotico“ der Zeit um 1890. Die ornamentale Bemalung des Sessels stammt vermutlich von Bugattis Freund Giovanni Segantini, was sich in einem die mittlere Taxe verdoppelnden Zuschlagspreis von 30 940 sfr (19 900 Euro) niederschlug.

Als solide Routine erwies sich schließlich Kollers traditionelle Asiatica-Versteigerung am 19. März, die unter anderem von einem großen, kräftigen und erst noch thermolumineszenzabgesicherten Terrakottapferd mit Sattel und Zaumzeug aus der Chinesischen Tang-Dynastie (618-907) für 27 370 sfr (17 700 Euro) angeführt wurde.

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