Die Musicalszene setzt in dieser Saison auf Mantel und Degen: Hip-Hop im Absolutismus

Die Musicalszene setzt in dieser Saison auf Mantel und Degen
Hip-Hop im Absolutismus

Was lässt die Kassen der Konzertveranstalter am lautesten klingeln? Stimmgewaltige Operndiven? Strahlende Rockstars? Krachlederne Volksmusikanten? Weit gefehlt. Das Musical ist des Publikums liebstes Kind.

Dicht darauf folgen immerhin die Opern. Die Deutschen greifen für Liveveranstaltungen immer mal wieder in die Tasche: 2003 kauften sie immerhin 142 Millionen Eintrittskarten. Besonders die Musical-Wunderwelt steht beim Publikum hoch im Kurs. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung unter 20 000 Konzertgängern wurde der größte Umsatz, etwa 18,8 Prozent, mit Musicals gemacht.

Damit das so bleibt, setzen die Macher in dieser Saison auf den Adel. Neben den drei Musketieren buhlen Bayernkönig Ludwig II. und die unvermeidliche Sissi um die Gunst des Publikums. „Die Musicalszene ist lebendig und floriert mit hervorragenden Shows“, sagt Maik Klokow vollmundig, Geschäftsführer des Marktführers Stage Holding mit Sitz im Hamburger Hafen. „Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Stücke und Flexibilität in den Laufzeiten sind die Erfolgsfaktoren.“ Aha. Doch wie werden die Legenden ankommen? Denn zuletzt waren es vor allem Stoffe aus der Welt des Pop, die beim Publikum begeistert aufgenommen wurden.

Buddy Holly, Elvis, Falco, Abba – auf den Bühnen lebten in den vergangenen Jahren die Un- und Scheintoten des Rock ’n’ Roll wieder auf. Vorläufiger Höhepunkt: Die im Dezember in Köln gestartete Zukunftsfabel „We Will Rock You“. Das Stück mit allen großen Nummern der Rocklegende Queen läuft so gut, dass sogar die echten Queen-Musiker Roger Taylor und Brian May nun nach jahrelangem Vorruhestand wieder auf Welttournee gehen.

Der Trend des rockigen Musicals scheint damit seinen Zenit erreicht zu haben. Doch auch bei der derzeitigen Rückkehr zum klassischen Mantel-und-Degen-Stück fehlt der Pop nicht. Die Musik für die Wiederaufnahme von „Elisabeth“ in Stuttgart schreiben Michael Kunze und Sylvester Levay, erfolgsverwöhntes Autorenduo für Schlagerstars und Entertainer in den 70ern und 80ern

.

„Ludwig2“ in Füssen setzt auf Liedermacher Konstantin Wecker und Christopher Franke, ehedem Mitglied der deutschen Elektronik-Sinfoniker „Tangerine Dream“. Das größte Hitpotenzial aber leisten sich die Produzenten der „3 Musketiere“ in Berlin. Sie kauften Rob und Ferdi Bolland aus Holland ein. Die beiden Brüder waren für Falcos Ohrwürmer „Jeanny“ und „Rock Me Amadeus“ verantwortlich und komponierten nun erstmals ein Musical.

Hörproben verheißen dramatische Balladen, monumentale Ensemble-Nummern und einen Solo-Rap für den französischen Kardinal Richelieu, den Bösewicht des anno 1626 angesiedelten Stückes. Hip-Hop im Zeitalter des Absolutismus? Aber mit den historischen Wahrheiten nahm es schon Alexandre Dumas nicht so genau, der die Musketiere für seine Abenteuerromane ersann. Die Stage Holding hat sich für ihre Eigenproduktion einen Spruch einfallen lassen, der das Wesen des Musicals auf den Punkt bringt: „Das 17. Jahrhundert – eine Phantasie aus dem Jahr 2005“.

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