Die umstrittene Oper wird wieder aufgeführt
Heute im Programm: Idomeneo

Polizeibeamte in Stellung, Sicherheitsschleusen wie auf dem Flughafen, politische Prominenz ist angemeldet. Was solchen Aufwand hervorruft, ist kein Wirtschaftsgipfel und kein politisches Spitzentreffen, sondern die umstrittene Oper „Idomeneo“, die heute abend aufgeführt wird. Schon vor der Aufführung sind die islamischen Religionsvertreter gespalten.

HB BERLIN. Zur Wiederaufführung der umstrittenen „Idomeno“- Inszenierung am Montagabend in Berlin ist die Deutsche Oper von einem großen Polizeiaufgebot geschützt worden. Bereits am Nachmittag zogen zahlreiche Beamte vor dem Opernhaus auf. „Noch nie haben wir eine Opernveranstaltung derart abgesichert“, sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Während viel politische Prominenz erwartet wurde, hatten mehrere eingeladene islamische Vertreter abgesagt. Christliche Repräsentanten äußerten Verständnis, da die Inszenierung der Mozart-Oper religionsfeindlich und menschenverachtend sei. Im Schlussbild der Aufführung werden die abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha und des Propheten Mohammed auf die Bühne gebracht.

Am Eingang des Opernhauses waren Sicherheitsschleusen wie auf dem Flughafen vorgesehen. Opernsprecher Alexander Busche bat die Besucher, wegen der Kontrollen mindestens eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn (19.30 Uhr) zu erscheinen. „Das würde uns sehr helfen, pünktlich beginnen zu können.“ Hinweise auf Anschläge oder Störungen gab es laut Polizei nicht.

Die umstrittene Inszenierung der Mozart-Oper von Hans-Neuenfels war im September wegen befürchteter islamistischer Drohungen abgesetzt worden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (beide CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und viele andere Prominente hatten angekündigt, zur Wiederaufführung am Montagabend zu kommen.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, wollten sich die Oper nicht anzusehen. Schäuble hatte alle Mitglieder der Deutschen Islam-Konferenz eingeladen. Dies war von muslimischen Teilnehmern des Treffens angeregt worden. Der Einladung Schäubles folgen nach Angaben des Bundesinnenministeriums neun der 15 muslimischen Konferenzteilnehmer. Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hat die Absagen kritisiert. Auch die Anwältin Seyran Ates und Migrationsforscherin Necla Kelek wandten sich gegen das Fernbleiben.

Dagegen äußerten Vertreter aus beiden großen christlichen Kirchen Verständnis. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, nannte die Neuenfels-Inszenierung ein „religionsfeindliches Spektakel“. Die Bischöfin des Sprengels Holstein-Lübeck, Bärbel Wartenberg-Potter, sagte, die „aufklärerische Pose“ der Opernszene, in der die abgeschlagenen Köpfe von Religionsführern wie Jesus und Mohammed gezeigt werden, habe eine „menschenverachtende Seite“.

„Sich mit einem religionsfeindlichen Spektakel demonstrativ zu solidarisieren, ist für gläubige Menschen kein Beweis von Toleranz, sondern Ausdruck eines Mangels an Selbstachtung“, sagte ZdK-Präsident Meyer. Er frage sich, warum Christen, die zu der Oper gingen, dieser Gedanke nicht komme. Nach Meinung Wartenberg-Potters ist der Sinn der umstrittenen Szene nicht aufklärerisch, sondern provokativ. Die Oper bringe eine Demontage religiöser Beziehungen zum Ausdruck, die in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet sei, sagte die Bischöfin im Deutschlandradio Kultur.

Seite 1:

Heute im Programm: Idomeneo

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%