Dieter Wedel

Der ehemalige Festspiel-Intendant befindet sich zurzeit wegen einer Herzattacke im Krankenhaus.

(Foto: dpa)

Dieter Wedel Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren ein

Dieter Wedel befindet sich wegen einer Herzattacke im Krankenhaus. Kurz zuvor trat er als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. Nun hat zudem die Staatsanwaltschaft München ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Update: 23.01.2018 - 02:07 Uhr Kommentieren

Bad HersfeldRücktritt, Herzinfarkt, Ermittlungen - Star-Regisseur Dieter Wedel wird mit aller Macht von Vorwürfen sexueller Übergriffe eingeholt. Die Staatsanwaltschaft München leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Es gehe um den Anfangsverdacht einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat, sagte am Montagabend eine Behördensprecherin in München.

Am selben Tag wurde bekannt, dass Wedel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten ist. Nach Angaben seiner Sprecherin hat der 75-Jährige eine Herzattacke erlitten und liegt im Krankenhaus.

Wedel schrieb in einer am Montag veröffentlichten persönlichen Erklärung, die Anfeindungen gegen ihn hätten „ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten“. Er wolle die Festspiele „aus der diffamierenden Diskussion um meine Person heraushalten“.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen sei, so die Sprecherin der Münchener Staatsanwaltschaft, ein Bericht im „Zeit-Magazin“. Dort hatten am 3. Januar drei Ex-Schauspielerinnen Wedel beschuldigt, er habe sie in den 90er Jahren sexuell bedrängt. Eine bezichtigt ihn dabei sogar der Vergewaltigung. Die Sprecherin der Ermittlungsbehörde betonte, dass die Einleitung des Ermittlungsverfahrens noch kein Hinweis für eine Schuld Wedels sei. Dies gelte es nun herauszufinden. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Ermittlungen berichtet.

Wedel, der mit TV-Mehrteilern wie „Der König von St. Pauli“ und „Der Schattenmann“ zu den bekanntesten deutschen Regisseuren zählt, hat den Vorwürfen per eidesstattlicher Erklärung widersprochen. Die von den Schauspielerinnen geschilderten Übergriffe sollen vor mehr als zwei Jahrzehnten stattgefunden haben.

Wenig später hatte die Schauspielerin Iris Berben in einem „Zeit“-Interview berichtet, Wedel habe sie Ende der 70er Jahre am Set der Fernsehserie „Halbzeit“ gedemütigt, nachdem sie eine Einladung zum Essen abgelehnt habe. Auch dagegen hatte sich Wedel zur Wehr gesetzt.

„Derzeit befindet sich Dieter Wedel in einem Krankenhaus. Nach den Ereignissen der letzten zwei Wochen ist er gesundheitlich angeschlagen“, teilte die Sprecherin Wedels mit. Weitere Details zu seinem Gesundheitszustand oder der behandelnden Klinik machte sie nicht. Über die Herzattacke hatte zuvor die „Bild“-Zeitung berichtet.

Wedel hatte die Hersfelder Festspiele im Herbst 2014 als Intendant übernommen. In seiner persönlichen Stellungnahme heißt es weiter: „Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigungen und Vorwürfen ausgesetzt. Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert. Und auch die Tatsache, dass es nicht aufhört.“

Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) bedauerte am Abend Wedels Entscheidung zum Rücktritt. Als Intendant habe Wedel seit seiner ersten Spielzeit im Jahr 2015 einen grandiosen Neustart für die Festspiele geschaffen und maßgeblich dazu beigetragen, dass sie eine Strahlkraft weit über Hessen hinaus entwickelt hätten. „Dieter Wedels Herzblut für dieses traditionsreiche hessische Kulturereignis wird fehlen“, sagte Rhein. Das Land und die Stadt würden nun alles daran setzen, die Festspiele weiterzuentwickeln und auf Erfolgskurs zu halten. Wedels Aufgaben in Bad Hersfeld soll nun sein bisheriger Stellvertreter Joern Hinkel übernehmen, bis ein neuer Intendant gefunden ist.

Wedel sagte in seiner Erklärung weiter, er habe stets versucht, die Leistung von Schauspielern zu verbessern, da dies seiner Überzeugung nach auch in deren Interesse sei. „Viele sind mir dafür dankbar und haben mir das auch jetzt noch bestätigt. Andere habe ich offenbar zu sehr strapaziert oder gar seelisch verletzt, was mir sehr leid tut.“

Wedel bekräftigte in seiner Erklärung: „Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer.“ Er kündigte an, sich nicht mehr öffentlich äußern zu wollen.

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  • dpa
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