Digital- und Medienkunst
Spagat einer jungen Messe

Mit großen Hoffnungen ist vor zwei Jahren die „Unpainted art fair“ in München angetreten. Inzwischen herrscht Ernüchterung. Deutschlands erste spezialisierte Medienkunstmesse erhält jedoch eine zweite Chance – allerdings in Brüssel. München bleibt die Plattform „Unpainted lab 3.0“ für Künstler ohne Galeriebindung.

MünchenDer Handel mit Medienkunst ist nach wie vor ein schwieriges Nischengeschäft. Spezialisierte Galerien gibt es nur in geringer Zahl. Und die einzige ernst zu nehmende Messe, die vor 13 Jahren gegründete „Loop“ in Barcelona, kann auch nur deshalb überleben, weil sie an diesem kulturell hochgradig attraktiven Ort mit einem originellen Konzept und überschaubaren Kosten antritt.

Sammlerszene in Brüssel

München bietet dagegen für eine Messe zur Digital- und Medienkunst keinen guten Nährboden. Deshalb weicht Messeorganisatorin Annette Doms mit der zweiten Ausgabe der 2014 gegründeten „Unpainted media art fair“ nun nach Brüssel aus. Dort wird sie vom 21. bis 24. April 2016 einen zentralen Ort zeitlich parallel zur „Art Brussels“ (22. bis 24. April 2016), „Independent Brussels“ (20. bis 23. April) und den „Pop Positions“ (21. bis 24. April) bespielen.

Brüssel hat eine vergleichsweise lebendige Sammlerszene zu bieten, was die Hoffnung auf einen Erfolg für diesen Standort nährt. Doms verspricht eine kleine, aber feine, kuratierte Veranstaltung mit 20 Teilnehmern, von denen die meisten zugesagt haben sollen. Vor zwei Jahren in München waren es 50.

Für Künstler ohne Galeriebindung

München bleibt jedoch Schauplatz für eine Verkaufsplattform von Künstlern ohne Galeriebindung. Was vor zwei Jahren noch unter dem Titel „lab 3.0“ ein Bestandteil der Messe war, wird vom 18. bis 21. Februar 2016 als selbständige, „Unpainted lab 3.0“ betitelte Veranstaltung ihr Debüt geben. Finanziert wird die Plattform mit Mitteln des Münchener Sammlers Benedict Rodenstock, der Stadt München und durch Einnahmen aus Eintrittsgeldern (15 Euro, ermäßigt 9,50 Euro). Die im Sommer 2015 avisierte Geldbeschaffung mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ hat, Angaben Doms zufolge, nicht funktioniert.

Gefragt wäre ein Konsens über Verwertungsrechte

Mit entscheidend für die Schwierigkeiten der Medienkunst auf dem Kunstmarkt ist die nach wie vor unsichere Rechtslage für Sammler und Händler. Zehn Jahre, nachdem die Frankfurter Galeristin Anita Beckers eine Art Zehn-Punkte-Plan aufstellte (Siehe Handelsblatt v. 3.3.2006), gibt es noch immer keinen praktikablen Konsens über die Verwertungsrechte nach einem Ankauf. Olaf Stüber, Kurator und ehemaliger Galerist für Medienkunst, hat die Erfahrung gemacht, dass sich „Sammler auch um Gottes willen nicht mit Rechten herumschlagen wollen“. Das bewirke, dass Medienkunst zu wenig verkauft werde und es folgerichtig auch keinen Sekundärmarkt gebe, auf dem Sammler ein Werk bei Bedarf auch wieder verkaufen könnten. Eine erneute Initiative ist also überfällig.

„Unpainted lab 3.0“, @MixedMunichArts, Katharina-von-Bora-Str. 8a, 80333 München, Vernissage 18. Februar 2016, 17 bis 22 Uhr, Laufzeit 19. bis 21. Februar, Fr. 12 bis 21 Uhr, Sa. bis 1 Uhr, So. bis 18 Uhr

„Unpainted art fair“, 21. bis 24. April 2016, Brüssel. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

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