Dirk Müller: Crashkurs
Hilfestellung in turbulenten Zeiten

Dirk Müller wurde einmal gefragt, ob er ein weiteres Buch schreiben wolle. Er verneinte. Wer sein erstes Werk „Crashkurs“ gelesen hat, ahnt, warum: Der Börsenhändler, der durch zahllose Fotos und Fernsehbilder zum Gesicht des Dax wurde, hat auf den 255 Seiten alles gesagt, was er schon lange einmal sagen wollte.„Crashkurs“ ist ein heißer Ritt durch die Welt der Wirtschaft.
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DÜSSELDORF. Auf diesem Ritt passiert Müller nicht nur die aktuelle Finanzkrise und deren Folgen, er streift auch Themen wie die Glaubwürdigkeit offizieller Statistiken wie der Inflationsrate, die Zukunft des US-Dollars, den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsweltmacht oder die Auswirkungen der Globalisierung. Was er dabei beobachtet, ist durchaus überraschend.

Kann ein Börsenhändler, ein Spekulant von Berufs wegen, ein Kritiker des Kapitalismus sein? Ein gnadenloser noch dazu? Dirk Müller kann. Unser Wirtschaftssystem, davon zeigt er sich überzeugt, ist dem Untergang geweiht – wenn nicht bereits jetzt, dann in ein paar Jahren. Ein System, das auf Zinseszins und Schulden gebaut sei, breche irgendwann in sich zusammen. „Dieses System braucht, um zu bestehen, immer neue Schuldner“, schreibt er. Nur so könne sich die stetig wachsende Geldmenge verzinsen. „Irgendwann ist aber der Punkt erreicht, an dem die Schuldenlast die Bürger erdrückt.“

Die Bürger – für sie hat Müller das Buch geschrieben, besonders für jene, die sich in der Welt der Finanzmärkte nicht sonderlich gut auskennen. Ihnen will er Hilfestellung geben, wie sie ihr Geld durch die turbulente Zeit retten und sogar vermehren können. Deshalb verzichtet er beinahe vollständig auf Fachausdrücke, erklärt auch die einfacheren Zusammenhänge und schreibt bisweilen fast umgangssprachlich. Sein wichtigster Zeuge: der „gesunde Menschenverstand“.

Dafür geht er mit den professionellen Anlageberatern hart ins Gericht. Das alte Argument etwa, wer sich Aktien kaufe, müsse nur eine Schlaftablette nehmen und wache als reicher Mann wieder auf? „Absoluter Blödsinn!“ entgegnet Müller. „Wer im Jahr 2000 Internetaktien gekauft hat, hat am besten die ganze Packung Schlaftabletten genommen, denn in diesem Leben wird er die Einstandskurse mit Sicherheit nicht mehr sehen.“

Konkret differenziert er zwischen zwei möglichen Entwicklungen auf den Märkten, dem Horror- und dem Hoffnungsszenario. Im ersten Fall empfiehlt Müller: Finger weg von Aktien und den überbewerteten Immobilien, her mit Gold. Sollte die Krise aber nicht im Desaster enden, rät er zum Kauf von Aktien – allerdings erst, wenn sich der Anleger sicher ist, dass das Schlimmste wirklich überstanden ist, und dann auch nur von soliden Unternehmen. Und immer gilt: „Keep it simple and stupid“ – kaufe nur, was du selber verstanden hast.

Der Börsenprofi, „Mr.Dax“, der sich auf die Seite der einfachen Leute schlägt – das kommt gut an. „Crashkurs“ ist seit dem Erscheinen Anfang Januar permanent auf den Bestsellerlisten.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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