„Django Unchained“-Start: Im Western nichts Neues

„Django Unchained“-Start
Im Western nichts Neues

Western-Fans jubeln angesichts des „Django Unchained“-Erfolgs von einer Renaissance des Genres. Doch die wahren Western spielen nicht mehr dort, wo der Staub weht, sondern vor den Bildschirmen der Investment-Banker.
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DüsseldorfEs gibt ein paar Leute, die jubeln angesichts des Erfolgs von Tarantinos „Django Unchained“ bereits von einer Renaissance des Westerns. Man trage wieder Colt, behaupten sie. Und man ziehe wieder schneller. Ein paar Dollar mehr sollen da als Motivation schon reichen. Sie schwärmen vom Mythos des einsamen Rächers, dem seine Waffe und sein Pferd näher sind als alle bürgerlichen Bindungen und der neben seinem Freiheitsdrang allenfalls noch eine schöne Frau einen Hauch von Melancholie in seine Lebensmotivation tröpfeln lässt.

In Wahrheit ist der Western auch nach Tarantinos bluthaltiger Reminiszenz immer noch so tot wie ein lahmer Cowboy nach einem für ihn ungünstig eskaliertem Showdown auf der Highstreet einer als Stadt missverstandenen Bruchbudenansammlung. Die wahren Western von heute spielen nicht mehr dort, wo der Staub weht, die echten Gesetzlosen reiten nicht mehr, und sie trinken keinen Whisky.

Sie hocken koksend vor Bildschirmen, und ihre Waffen sind schnelle Klicks, mit denen sie viel mehr Geld verdienen als es ein unanständiger Kuhjunge mit einem Banküberfall je könnte. Manche sagen gar, verwegene Investmentbanker hätten lange schon die Rolle der Westernhelden übernommen. Sie basteln sich ihre Gesetze selber, klicken schneller als ihr Schatten, aber wer falsch klickt, kann schnell die Staubmäuse unter seinem Schreibtisch zählen.

Aus gutem Grund ist der 100. Geburtstag des ersten Westerns im Jahre 2003 nur sehr verhalten gefeiert worden. Zu fern liegt das, was sich 1903 mit dem Kinofilm „Der große Eisenbahnraub“ andeutete, was in den 50er- und 60er-Jahren seine Blütezeit feiern und dann langsam in der Versenkung verschwinden sollte.

Es hat schon einen guten Grund, warum Western vor allem in der Nachkriegszeit so viele Menschen in die Kinos zogen. Geschichten von Outlaws, die ungeordnete Verhältnisse wieder richten, erfreuen sich eben genau dann großer Beliebtheit, wenn die individuelle Perspektive geprägt ist von Chancen, aber auch von Risiken. Ein bisschen scheint es, als ähnelte das keimende Wirtschaftswunder jenen Zeiten, in denen es reichte, ein Pferd zu satteln oder einen Planwagen durch die Prärie nach Westen zu lenken. Es half halt der unsicheren Seele, im Kino zu sehen, wie die Verhältnisse aus der Bahn geraten, wie sie am Schluss aber wieder in Harmonie erstrahlen.

Kommentare zu "Im Western nichts Neues"

Alle Kommentare
  • Ja, der Zusammenhang zum Western-Genre und zum Rest des Artikels wird nicht deutlich.

    Ein (relativ) moderner Western, der mir noch einfällt ist 3:10 to Yuma (Todeszug nach Yuma) von 2007 mit Russel Crowe und Christian Bale. Allerdings auch ein Remake, aber ein sehr gutes!

  • Investmentbanker = moderne Cowboys?
    So einen Blödsinn habe ich ja schon lange nicht mehr in einer ernstzunehmenden Zeitung gelesen...

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