Dmitry Aksenov
Die Messe als "Inkubator"

Wenn es in Moskau um Kulturprojekte geht, wird Dmitry Aksenov gefragt. Der russische Immobilienentwickler hält 70 Prozent an der Betriebsgesellschaft der Kunstmesse Viennafair. Er glaubt, dass die Kunst den kritischen Dialog zwischen Ost und West fördern kann.
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WienDmitri Aksenov ist ein eher unauffälliger, fast bescheiden auftretender Mann. In einer schlichten braunen Strickjacke ist er auf „seiner“ Messe, der Viennafair The New Contemporary 2013, Wien, unterwegs. Häufig hat er kleine Gruppen russischer Landsleute im Schlepptau, denen er Kunst oder die teilnehmenden Galerien vorstellt.

Der 47-Jährige ist in vielem das Gegenteil des ewig gehetzt wirkenden und stets mit mehreren Mobiltelefonen hantierenden Sergey Skaterschikov, der die Messe vor anderthalb Jahren zusammen mit Aksenov vom Messekonzern Reed Exhibitions übernommen hatte und bis vor kurzem führte. Während Skaterschikov Finanzinvestor ist, für den es vor allem und durchaus kurzfristig auf Zählbares ankommt, denkt der Immobilienentwickler Aksenov strategisch in größerem Rahmen. Als wohl größter ziviler Bauherr des neuen Moskaus muss er das auch, denn die Stadt bürdet bei Siedlungsprojekten den Bauherren gleich die Erstellung der gesamten Infrastruktur auf, von Krankenhäusern über Schulen bis zu Kulturinstitutionen.

Ergänzung zum Kerngeschäft

Den kompletten Erwerb des zuvor von beiden gehaltenen 70 Prozent-Anteils an der Viennafair Betriebsgesellschaft mbH sieht Aksenov daher weniger als Finanzinvestment. Denn die Viennafair ist für ihn weit mehr als eine Handelsplattform. „Für mich ist das eine Ergänzung zu meinem Kerngeschäft“, erklärt er. „Wenn man Immobilien entwickelt, arbeitet man mit Architekten und Designern zusammen und landet zwangsläufig bei Kunst.“

Um sein Engagement bei der Viennafair zu erklären, holt Aksenov etwas weiter aus: „Ich bin nur einer von vielen russischen Unternehmern, die mit den gegenwärtigen Standards in Russland unzufrieden sind. Aus diesem Grund ist mein Fokus international. Wir entwickeln und bauen große Apartmentkomplexe und Wohngebiete für die neue russische Mittelschicht. Wir sind erfolgreich, weil wir höchste Standards bezüglich Architektur und Nachhaltigkeit für unsere Projekte anstreben. Wir erreichen das durch die Einbindung von internationalem Know How westlicher Architekten und Fachleute“, erläutert der Russe.

„Das bringt mich zu meinem Engagement bei der Viennafair“, setzt Aksenov fort. „Im Geiste der russischen Konstruktivisten glaube ich fest an die soziale, einigende und welterklärende Funktion von Kunst.“ Die Viennafair fasziniert den russischen Unternehmen, „weil sie einer der wenigen Orte in Europa und Russland ist, an dem – durch zeitgenössische Kunst – der kritische Dialog zwischen Ost und West gefördert werden kann“. Das sei in seinen Augen dringend notwendig: „Auf der einen Seite haben die Europäer Angst vor Russland, auf der anderen Seite fürchten die Russen eine Hegemonie des Westens", setzt er hinzu.

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