Documenta 2013
Alle sind begeistert

Auf der Documenta in diesem Jahr gab es viele stille Stars, den einen herausragenden Künstler gab es nicht. Für viele hat sich die Ausstellung gelohnt - ökonomisch, wie künstlerisch.
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Kassel, DüsseldorfSie heißen William Kentridge, Etel Adnan oder Wael Shawky. Ihre Kunst besteht aus einer Multimedia-Installation, kleinen Ölbildern, einem Puppenspiel. Sie sind drei der Künstler, die die Besucher auf der Documenta in Kassel begeistern, sind die eigentlichen Stars dieser starlosen 13. Ausgabe der wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Ihre Bekanntheit ist durch die Documenta gestiegen - der Wert ihrer Werke dürfte folgen. Es sind nicht die großen Namen, die in Kassel begeistern, wie etwa der Chinese Ai Wei Wei, der nach der Documenta 2007 zu Weltruhm gelang. Es sind nicht die dekorativen Trophäen der Marktstars Damien Hirst, Jeff Koons und Richard Price, auf die Fachwelt wie Laien auf der Documenta treffen. Es sind viele neue Namen und poetisch zarte Arbeiten.

Das wichtigste Documenta-Leitmotiv heißt "Zerstörung und Wiederaufbau". Die Künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev hat Künstler aus Europa, Afrika, und vor allem dem Orient um sich geschart. Entsprechend politisch ist die Ausstellung; die Region ist im Aufbruch. Das spiegelt sich in vielen Werken wider. Zum ersten Mal reflektieren Künstler islamischer Länder im großen Stil ihre politische Situation. "Der Star ist die Ausstellung", sagt auch Geschäftsführer Bernd Leifeld. Die Documenta 13 besticht durch ihre Ausgewogenheit.

Sie bietet jungen, frischen Künstlern eine Plattform - und schafft so neue Stars am Kunstmarkthimmel. Die Documenta, die nur alle fünf Jahre stattfindet, erweist sich einmal mehr als Gewinn für Künstler, Galeristen und die Stadt. Andree Sfeir-Semler vertritt gleich sechs Künstler, die an der Documenta teilnehmen. Sie betreibt Galerien in Hamburg und Beirut. Christov-Bakargiev hat sich bewusst nicht von den Megagalerien mit weltweit gespanntem Filialnetz und teuren Stars helfen lassen. Sie setzt auf die kleinen, unbekannteren Galerien, die die Stars von morgen vertreten. Bei Sfeir-Semler sind es die 87-jährige Etel Adnan mit ihren kleinen Ölbildern von bemerkenswerter Kraft, Wael Shawky mit interessanten Videofilmen, in denen der 42-jährige Ägypter die mittelalterlichen Kreuzzüge mit Puppen inszeniert hat. Dazu kommen die arabischen Künstler Rabih Mroué, Walid Raad, Anna Boghiguian und Akram Zaatari.

Kaufwillige Kunstfreunde muss Sfeir-Semler jedoch enttäuschen. 250 Mails würden sie seit Juni täglich erreichen, sagt die Deutsch-Libanesin. Den Zuschlag aber bekommen Museen oder große Sammler. Das malerische Werk von Etel Adnan, deren Kunst das Cover des Frieze-Katalogs, der wichtigen Zeitgenossen-Messe im Oktober in London zieren wird, sei klein, sagt sie. Neun ihrer Werke habe das Centre Pompidou in Paris gekauft, ein anderes renommiertes Museum gar 20. Die Galeristin will ihre Schützlinge gezielt an den besten Plätzen platzieren - die Präsenz bei der Documenta macht es möglich. Die Preise freilich sind noch moderat. Auf der Art Basel notierte eine der Landschaftsabstraktionen Adnans bei 13 000 Euro.

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