Documenta
Kassel und die Werke vergangener Jahre

Drei Monate lang, von Juni bis September, wird sich die nordhessische Metropole Kassel wieder als Welthauptstadt der zeitgenössischen Kunst feiern. Was ist aus den Werken vergangener Jahre geworden? Eine Ortsbesichtigung.

Achtfach gezackten Mäulern gleich recken sich die schwarzen Gebilde in Linksrichtung, ausgerichtet wie zum Exerzieren. Ihre Hälse ruhen auf filigranen Metallbeinen und auf Leibern, die sich, ineinander verschachtelt, als Schattenrisse gegen die gelbe Wand konturieren. Durchs Schaufenster nebenan können wir auf eine Anordnung von vier lindgrünen Rettungsbojen starren, die vor einem Motorrad vertäut sind.

Will uns ein Künstler damit was sagen? Wer in diesen Tagen einen Blick durch die Fenster der Documenta-Halle am Kasseler Friedrichsplatz riskiert, der könnte auf den ersten Blick dahinter geheimnisvolle Installationen erahnen, Vorboten und Musterstücke der „Documenta 12“, die am 16. Juni hier beginnt. Bis dahin steht in Kassel so ziemlich alles unter Kunstverdacht. Aber leider ist die Realität, auf den zweiten Blick, trivialer: Was hinter den Fenstern Anfang Mai zu sehen war, waren ineinander gestapelte Plastikmöbel, Heizölfässer und ein Zweirad, das sein Besitzer zur Sicherheit untergestellt hatte.

Kassel rüstet sich allenthalben zur zwölften „weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst“, wie es in einer Selbstbeschreibung heißt. Wobei „rüsten“ wörtlich und buchstäblich genommen werden darf: Das Wahrzeichen der Stadt, der Herkules über dem Schlosspark Wilhelmshöhe, ist eingerüstet. Der Kulturbahnhof, den sie hier liebevoll „KuBa“ nennen, ist noch eine einzige Baustelle. Und der Friedrichplatz, wichtigster Documenta-Anlaufpunkt, ist noch eingezäunt, offenbar um eine Grünanlage zu schützen, die eine Firma eingesät hat, welche sonst Sportstadien begrünt.

Am Rande des Platzes, mit Blickrichtung südwestlich hin über Orangerie und die weiten Fuldaauen schauen wir durch den „Rahmenbau“ bis zu den Ausläufern des Söhrewaldes. „Der Rahmenbau“ – in Kassel populär „Auefenster“ genannt – wurde zur Documenta 1977 von der Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. hier installiert und wirkt mal wie eine Diaschau aus der Stadt ins Freie, mal wie aus dem Freien in die Umtriebigkeit – je nach Standort.

Der gigantische Dia-Rahmen ist eine von rund einem Dutzend von Installationen und Skulpturen, die nach Documenta-Schluss im öffentlichen Raum der Stadt verblieben sind, darunter das „Projekt 7 000 Eichen“ von Joseph Beuys, Jonathan Borofskys „Man Walking to the Sky“ vor dem Kulturbahnhof oder „Die Fremden“, bunte Keramikfiguren über dem klassizistischen Eingang des Sinn-Leffers-Kaufhauses.

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