Doku über den französischen Kinohit
Die realen „ziemlich besten Freunde“

Die Tragik-Komödie „Ziemlich beste Freunde“ hat Millionen Menschen vor die Kinoleinwände gelockt. Nun erzählt eine Dokumentation die wahre Geschichte des reichen Unternehmers im Rollstuhl und seines algerischen Pflegers.
  • 0

BerlinEr habe zwei Leben geführt, sagt Philippe Pozzo di Borgo heute. Und er sei glücklich angesichts der Erfahrung, die er in beiden Leben gemacht habe. „Ich war einmal sehr egoistisch, wie unsere Gesellschaft so ist“, erinnert sich der 61-Jährige in einem Interview mit dem Portal „Zeit online“. „Ich war an Geld interessiert, ich war ehrgeizig und gierig. Ich habe inzwischen meine verlorene Unschuld zurückbekommen und mich in der Stille und im Schmerz wiedergefunden.“

Philippe Pozzo di Borgo wurde berühmt durch die Filmfigur, die ihn verkörpert:. Neun Millionen Deutsche sahen mittlerweile die Tragikomödie „Ziemlich beste Freunde“, in der ein reicher Aristokrat und Geschäftsmann, wegen eines Unfalls zum Pflegefall geworden, von seinem Pfleger aus dem tiefen Tal der Depressionen herausgeholt wird. Di Borgo ist es tatsächlich so ergangen. Die ZDF-Reportage „Beste Freunde“ von Danuta Harrich-Zandberg erzählt an diesem Dienstag (22.15 Uhr) die wahre Geschichte. Die Reportage läuft in der Doku-Sendereihe „37 Grad“.

Am 27. Juni 1993 stürzt di Borgo, Direktor des Champagner-Unternehmens Pommery, mit einem Gleitschirm ab und bricht sich einen Halswirbel. Er bleibt vom Kopf abwärts gelähmt. Ein Joystick an der Wange ist seine einzige Chance zur Mobilität. „Leiden begreife ich als eine Form des Widerstandes, was mich stark an meinen Großvater erinnert, der in der Résistance war und ein Konzentrationslager überlebte“, erzählt di Borgo. Sein Absturz bleibt nicht der einzige Schicksalsschlag. Drei Jahre später erliegt seine Frau einem Krebsleiden.

Sein zweites Leben beginnt mit einem Mann, auf den der in Paris allein in seiner Villa im Palais Hôtel de Longueuil lebende di Borgo zunächst keinen Pfifferling setzt: Es ist der junge Algerier Abdul Sellou. Eigentlich bewirbt sich Abdel als Pfleger nur bei di Borgo, um eine Bewerbung nachweisen zu können und sein Arbeitslosengeld zu kassieren - wie im Film. Doch plötzlich ist der junge Mann drin im Job, der auch sein Leben verändert. Zehn Jahre lang werden sich die ungleichen Sellou und di Borgo nicht aus den Augen verlieren.

Für die ZDF-Dokumentation der 58-jährigen Filmemacherin Harrich-Zandberg habe di Borgo im deutschsprachigen Raum „exklusiv“ zur Verfügung gestanden, berichtet der Sender. Di Borgos Ziel sei es, damit „den Menschen die Scheu vor schmerzhaften Auseinandersetzungen und unliebsamen Wahrheiten nehmen“, so das ZDF. Der Film begleitet den Geschäftsmann durch seinen Alltag, „zu Plätzen und Orten, die ihn geprägt haben, und er begegnet Menschen, die ihm viel bedeuten.“

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Doku über den französischen Kinohit: Die realen „ziemlich besten Freunde“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%