Dokumentation
Das neue Grass-Gedicht in Auszügen

In Auszügen dokumentieren wir das jüngste Grass-Gedicht. Wie das Vorgänger-Werk „Was gesagt werden muss“ veröffentlichte der 84-Jährige das Gedicht in der „Süddeutschen Zeitung“.
  • 7

MünchenEuropas Schande

Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht, bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.

Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt, wird abgetan nun, unter Schrottwert taxiert.

Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land, dem Dank zu schulden Dir Redensart war. (...)

Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht den Gürtel enger und enger schnallt. (...)

Außer Landes jedoch hat dem Krösus verwandtes Gefolge alles, was gülden glänzt gehortet in Deinen Tresoren.

Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure, doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück. (...)

Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land, dessen Geist Dich, Europa, erdachte.

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Dokumentation: Das neue Grass-Gedicht in Auszügen"

Alle Kommentare

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  • @rapid

    Gedichtete Gedichte. Gedichte werden montiert, nicht gedichtet.
    "Problemen der Lyrik", Gottfried Benn,1951

  • @R.Rath
    Alles klahr.Das "h" in klar steht für das Hamannsche "h" als Hauch und Ruach in der Tradition der reformierten Rechtschreibung von 1905 in Sinngebung von T(h)ron und Altar, dessen Berechtigung die Grass´sche Rechtfertigung in der Theorie einer neuen Literatur der Gruppe ??? so eindrucksvoll widerlegt hat.

  • @Rheinschwimmer

    Genial, nur bitte zu bedenken, der Rhein fließt nicht durch Lübeck.

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