Dorothee Fischer
Die Messlatte hoch gehängt

Die Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf hat die Minimal Art auf dem europäischen Kunstmarkt eingeführt und durchgesetzt. Ihre Existenz verdankt sie einer Frau. Jetzt ist die Düsseldorfer Galeristin Dorothee Fischer im Alter von 78 Jahren gestorben.
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DüsseldorfDie Düsseldorfer Galeristin Dorothee Fischer (1937–2015) ist tot. Dorothee war die Witwe des Künstlers Konrad Lueg, der mit Gerhard Richter, Sigmar Polke und Manfred Kuttner in Düsseldorf Kunst studierte und die Gruppe des Kapitalistischen Realismus (1963-1966) gründete. 1967 eröffnete Lueg in der Nähe der Düsseldorfer Kunstakademie unter seinem bürgerlichen Namen Konrad Fischer eine Galerie. Möglich machte das seine Frau, die als Lehrerin für ein geregeltes Einkommen sorgte.

Konrad Fischer erfand das Galeriegeschäft neu, indem er für Ausstellungen nicht einfach Kunstwerke anreisen ließ, sondern die Künstler selbst, die dann vor Ort arbeiteten. 1970, nach der Geburt des Sohnes Kasper, konnte Dorothee den Lehrerberuf aufgeben und sich ebenfalls ganz der Galeriearbeit widmen.

Drehscheibe für die Minimal Art

Die Galerie führte bedeutende Künstler wie Carl Andre, Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys, Hanne Darboven, Sol LeWitt, Bruce Nauman und Lawrence Weiner nicht nur auf dem deutschen Kunstmarkt ein. Die Fischers machten die US-amerikanischen Kunstrichtungen Minimal Art, Conceptual Art und Land Art in Europa bekannt.

Nach Konrads Tod im Jahr 1996 übernahm Dorothee die Galerie und entwickelte sie weiter, indem sie unter anderem Paloma Varga Weisz, Manfred Pernice, Thomas Ruff, und Rita McBride sowie die Nachlässe von Charlotte Posenenske und Max Neuhaus ins Programm aufnahm.

2007 eröffnete sie eine Zweigstelle der Galerie in Berlin. Anfang letzten Jahres gaben Dorothee Fischer und ihre Kinder ihre private Sammlung und das Archiv der Galerie an das Land Nordrhein-Westfalen, um sie in der Kunstsammlung NRW der Öffentlichkeit zu erhalten. Ein Teil wurde angekauft, ein gleichwertiger Teil geschenkt.

Messlatte hoch gehängt

Gregor Schneider, der seit 1993 von der Galerie vertreten wird und seine ersten beiden Ausstellungen noch mit Konrad Fischer hatte, schreibt zu Dorothees Tod: „Dorothee hat mir geholfen eine Kunst, die außerhalb der Kunstwelt entstanden ist (das sogenannte Haus u r), in der Kunstwelt zu zeigen. Ich sehe in Deutschland keine Galerie, die diese Lücke schließen könnte. Diese Galerie wird auch nach ihren Tod den jungen Galerien ein gutes Vorbild sein. Sie hat die Messlatte verdammt hoch gehängt.“

Die Galerie Konrad Fischer soll an den beiden Standorten Düsseldorf und Berlin weitergeführt werden. Die Leitung wird nach Auskunft der Galerie die 43-jährige Tochter Berta übernehmen.

Dorothee Fischer starb am 9. Mai 2015 nach mehrmonatiger Krankheit. Die Beerdigung findet Ende der Woche in engstem Kreise statt. Ende Juni soll es eine öffentliche Feier geben.

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