Dorotheum
Drehen an der Rekordmaschinerie

Das Wiener Dorotheum setzt Uhren, Schmuck und Silber flüssig ab. Gehobene sechsstellige Preise erzielten Abreiten von Ilya Kabakov und Emilio Vedova.
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WienAls „liebe, gute Freundin“ Franz Josephs ging sie in die heimische Societygeschichte ein. Legendär war Katharina Schratt aber auch für ihren überzogenen Lebensstil und die unbändigen Roulettesucht. Mehrmals musste der Kaiser über finanzielle Zuwendungen ihre Schulden in siebenstelliger Höhe begleichen. Zwischendurch verpfändete die Schratt aber auch Schmuckstücke, darunter nachweislich eine beim k.k. Hofjuwelier Köchert um 1890/95 aus Altschliffdiamanten und fuchsiafarbenen Rubinen gefertigte Brosche. Und ebendiese sorgte im Wiener Auktionshaus Dorotheum am 21. November für einen funkelnden Auftakt zur vierten und letzten Auktionswoche des Jahres. Stolze 202.800 Euro (inkl. Aufgeld) ließ ein anonymer Telefonbieter für das historische Juwel springen und drehte damit an der Rekordmaschine: Mit einem Umsatz von 1,2 Millionen Euro durfte das Dorotheum einen historischen Spartenhöchstwert notieren.

Bieter in Spendierlaune

Insgesamt fiel der inoffizielle Saisonabschluss mehr als zufriedenstellend aus, nicht zuletzt auch deshalb, weil internationale Käufer unabhängig von der wirtschaftlichen Missstimmung in ihre Spendierhosen geschlüpft waren. In der Sektion Silber flatterte beispielsweise eine 21-karätige vollplastische Moskauer Taube (110.790 Euro) in ihre Heimat zurück und sicherte sich ein Schweizer ein gotisches Weihrauchgefäß (36.900). Nach Frankreich reichte die Designexpertin wiederum den Prototypen eines italienischen Sitzobjekts (67.400) und nach Belgien die Loos’sche Dodekaeder-Hängelampe (55.200) weiter. In der Sparte Jugendstil machte sich zwischendurch ein heimischer Käufer für eine Sitzgarnitur Josef Hoffmanns stark (29.580) und setzte sich ein Amerikaner bei dem von Hans Bolek für die Kölner Werkbundausstellung 1914 gefertigten Anhänger mit Kette (26.580) durch. Beim Defilee der Klassischen Moderne konnte ein Italiener wiederum dem Hang zu Sackleinen aus dem Atelier Joan Mirós („Sobreteixim sac2“, 237.300) nicht widerstehen und pochte ein Deutscher auf die Rückkehr Paula Modersohn-Beckers „Mädchen mit Ziege“ (202.800).

Teurer Kabakov

Auch Ilya Kabakovs „Bei der Universität 1972“ ergänzt mit 754.800 Euro zum Spitzenwert der Woche nun eine deutsche Privatsammlung, während sich ein heimischer Käufer Emilio Vedovas Collage „Ciclo 61N.8“ für 444.300 Euro aus der Zeitgenossen-Offerte fischte. Ebenfalls in Österreich blieb Jannis Kounellis’ unbetiteltes Großformat aus dem Jahr 1989 bei 283.300 Euro und zum gleichen Wert wanderte Enrico Castellanis „Superficie bianca“ (1969) nach Großbritannien ab.

Mit der dem Segment Armband- und Taschenuhren gewidmeten Versteigerung (Umsatz: rund 773.000 Euro) komplettierte das Dorotheum am 25. November die vierte Auktionswoche des Jahres. Insgesamt summierten sich die Einspielergebnisse aller Sparten auf 11,6 Millionen Euro, womit die Vergleichsveranstaltung 2010 um 21 Prozent übertroffen wurde. Gemessen an der Bilanz des zweiten Halbjahres liegt der Zuwachs bei guten 18 Prozent. 

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