„Dranbleiber“ nennt ihn die "Süddeutsche Zeitung" respektvoll
Der Hartnäckige

Frank Plasberg, Senkrechtstarter unter Deutschlands Polit-Talkern, kommt jetzt auch zur Bundestagswahl ins Fernsehen. Ein Messias des Polit-Talks will er aber auf gar keinen Fall sein.

Wenn Frank Plasberg aus dem Panoramafenster seines Büros im 8. Stock des WDR-Filmhauses am Kölner Appellhofplatz schaut, dann türmt sich vor ihm, zum Greifen nah der mächtige Dom auf. „Tolle Aussicht, nicht wahr!“ freut sich der 48-Jährige. Damit zeigt er eine Begeisterung für eine Sache, wie er sie sich in seinem Job kaum leisten kann. Plasberg ist Moderator des wöchentlichen Polit-Talks „Hart, aber fair“ im Dritten Programm des WDR und in dieser Eigenschaft geradezu verpflichtet, eigene Meinung und Gefühle hinten anzustellen. Mit „Hart, aber fair“ ist er zur dritten Größe des Genres aufgestiegen, neben „Sabine Christiansen“ und „Berlin Mitte“ mit Maybrit Illner. Und hat beide an Klasse und Kompetenz längst überholt.

Wo man bei „Sabine Christiansen“ nur noch belanglos plaudert und sich die Berliner Polit- und Promi-Kaste häufig selbst zelebriert, da nimmt Plasberg seine Gäste in die Pflicht, lässt in der Sache heftig streiten, sich dabei aber nicht abspeisen mit typischen Politikerfloskeln. Hartnäckigkeit lautet sein Rezept. „Dranbleiber“ hat ihn die „Süddeutsche Zeitung“ deshalb respektvoll genannt. „Spiegel Online“ sieht in Plasberg gar „die Galionsfigur eines anspruchsvollen Fernsehjournalismus“. Lohn für diese Hartnäckigkeit sind nicht nur die drei bedeutendsten deutschen Fernsehauszeichnungen, der „Deutsche Fernsehpreis“, der „Grimme-Preis“ und der „Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis“, sondern auch der Aufstieg in die erste Liga.

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wurde er in der ARD bundesweit bekannt. Und für die ARD wird Plasberg nun auch die drei Wahlhearings zur Bundestagswahl moderieren. Wer weiß, vielleicht begreifen die Intendanten alsbald, dass dieser Mann auch regelmäßig fürs Erste taugt. Schließlich hat er mit „Hart, aber fair“ Quote und Qualität zusammengebracht. Ein seltenes Kunststück im hektisch-oberflächlichen Fernsehbetrieb. „Kürzlich hat mich eine Frau auf der Straße angehalten, hat mir die Hand gedrückt und gesagt: ,Halten Sie durch, halten Sie durch, Sie sind doch der Einzige, der sich traut . . .“, erzählt Plasberg. Doch das ist ihm unheimlich: „Damit komme ich nicht zurecht. Nachfragen erfordert doch keinen Mut, und ich bin keine Ersatz-Opposition.“

Ein Messias des Polit-Talks will er auf gar keinen Fall sein. „Was TV-Pfarrer Fliege für die Naturheilkunde ist, sieht manch einer für den politischen Journalismus nun in mir – einen Heilsbringer –, und das überfordert mich bei weitem. Ich habe keine Mission und keine zentrale Botschaft.“ Er verstehe sich nicht als politischer Redakteur und als Politiker schon gar nicht. Warum eigentlich nicht? Schließlich muss Plasberg das Wissen zu den Themen seiner Sendungen buchstäblich in sich hineinschaufeln, will er sich keine Blöße geben, und weiß daher wahrscheinlich längst mehr, als der Kanzler und seine Ministerriege zusammen.

„Die Ochsentour durch rauchgeschwängerte Hinterhofkneipen wäre mir, ehrlich gesagt, viel zu mühsam“, sagt er. „Auf gar keinen Fall möchte ich aber zur Politikverdrossenheit beitragen, die ich sehr schlimm finde. Demokratie lebt davon, dass sie organisiert wird, und das am besten von Politikern.“

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